Freitag, 10. Oktober 2008

Kommunalwahlen in Brasilien

Wie schon angekündigt, mal wieder etwas aus der brasilianischen Welt der Dinge: Kommunalwahlen im ganzen Land.

Am Sonntag war es also so weit, brasilienweit wurden neue Bürgermeister gewählt. Das Ereignis hatte sich bereits seit Wochen (eigentlich würde ich ja fast sagen Monaten, aber ich bin ja erst zwei hier) lautstark und bunt angekündigt.

Was meine ich damit: Zum einen die Wahlwerbung, welche hier wirklich aufdringlich ist. Jeder Kandidat kauft sich regelrecht seine Unterstützer. Wer Geld braucht verunstaltet also sein Auto oder seine Hausfront und Fenster mit breit grinsenden Gesichtern. Je nach Größe des menschlichen Abbildes, wird man dann bezahlt. Zum Beispiel kann man für Wahlwerbung am Auto (meist an den Fenstern) so ganz einfach um die 100 Reais bekommen (aber so genau weiß ich nicht, was man für welche Größe bekommt). Ich habe in Itajubá ein Haus gesehen, welches zum Verkauf steht und schön mit Wahlwerbung geschmückt war - scheinbar benötigt da jemand dringend Geld.

Zum anderen gibt es zahlreiche Wahlhelfer, die fleißig in Riesenkostümen durch die Gegend rennen und Flyer verteilen. Letzte Woche haben gleich zwei verschiedene Helfer (also für unterschiedliche Kandidaten) beim Einsteigen in den Bus fleißig ihre Flyer verteilt... Die Frage ist nur, ob das was bringt.
Ach und letzten Freitag war es eigentlich unmöglich zu arbeiten, da irgendwelche Wahlhelfer meinten es würde uns wohl dazu bringen einen bestimmten Kandidaten zu wählen, wenn sie den ganzen Tag vor unserem Fenster laut singen und pfeifen.

Ok am Sonntag war also dann Wahl und da in Brasilien Wahlpflicht gilt (seht da habt ihr gleich wieder was neues dazu gelernt), musste sich auch jeder der grade nicht in seiner Heimatstadt ist, bei einem Wahllokal melden. Briefwahl scheint es nicht zu geben - dafür aber Wahlcomputer und teilweise die neuesten elektronischen Wahlurnen mit biometrischer Erkennung des Fingerabdrucks (komisch, dass ich bei solch einer Technik bei der Bundespolizei noch alle Fingerabdrücke mit Tinte abgeben musste). Wer nicht wählen geht muss eine Strafe zahlen. Das will natürlich keiner, also waren wir in Maresias und jeder hat fleißig einen Zettel mit seinem Namen und allem drum und dran ausgefüllt. Dazu gehört auch eine Nummer, welche sich auf dem Wahlausweis befindet (den muss man neben dem Personalausweis zur Wahl mitbringen). Blöderweise hatte Marcelos Vater seinen vergessen, so dass das ganze Nicht-Wählen (denn eigentlich war es ja nur ein Melden à la: Hallo ich bin nicht zu Hause und konnte daher nicht wählen) ewig gedauert hat, da er erst jemanden telefonisch erreichen musste, der seine Nummer kennt. Letztendlich hatte aber jeder seine Bescheinigung, dass er in einem Wahllokal aufgetaucht ist, in der Hand.

Wie wird hier so gewählt: in kleineren Städten gewinnt der, der die meisten Stimmen hat. Ab 200.000 Einwohnern kann man nur mit absoluter Mehrheit Bürgermeister werden. Aus diesem Grund gibt es auch in vielen Städten demnächst Nachwahlen. Im Fernsehen wird lang und breit über die Wahlen - zunächst Prognosen und dann Ergebnisse - berichtet und scheinbar interessiert das die Leute auch wirklich. Ich fand es langweilig für alle möglichen Städte die Gewinner zu sehen. Es interessiert doch in Deutschland auch Keinen, wer in einer anderen Stadt als der eigenen zum Bürgermeister gewählt wurde. Oder habt ihr euch schon mal ernsthaft Gedanken darüber gemacht, wer in Rostock (Stadt beliebig austauschbar) zum Bürgermeister gewählt wurde? Wahlprognosen scheinen in Brasilien genauso wenig zu stimmen, wie Wetterberichte - zumindest in Sao Paulo (dort hat sich überraschend eine Frau für die Nachwahlen qualifiziert, ohne dass die Prognosen das vorhergesehen hätten). Aber vielleicht liegt es auch daran, dass sie bei der Riesenstadt irgendwelche Probleme mit dem Zusammenrechnen der Ergebnisse der einzelnen Wahlcomputer hatten (auch das durfte man sich lang und breit im Fernsehen anhören).

So und nun zum Schluss noch 'ne lustige Sache (auch aus dem Fernsehen): in einer kleineren Stadt hatten zwei Kandidaten gleich viele Stimmen. Ich hätte angenommen, dass es da Nachwahlen gibt, aber das brasilianische Gesetz sagt, dass der Ältere der Bürgermeister wird.

Und zum Wahlergebnis von Itajubá weiß ich nix. Hoffentlich wurde der alte Bürgermeister abgewählt. Der ist nämlich Besitzer einer der größten Kopfsteinpflaster-Firmen Brasiliens und dementsprechend sehen hier auch die Straßen aus. Aber dazu später mehr, wenn es wieder heißt: neues aus der brasilianischen Welt der Dinge...

Donnerstag, 9. Oktober 2008

Monsterschnecke

Damit nicht den Meisten die Monsterschnecke aus Paúba entgeht, verlink ich sie hier lieber mal noch. Auf die möchte ich nicht versehntlich drauf treten ...


Der Schuh hat so ungefähr die deutsche Grösse 40/41.
Und hier noch mal in besserer Beleuchtung, aber mit nicht so gutem Grössenvergleich:


Neben der Riesenschnecke gab es in Paúba auch noch etliche Mücken. Den Part hatte ich in meinen Lobeshymnen über den Strandausflug mal grosszügig weggelassen. Ich hab leider doch etliche Stiche davon getragen (manche Mücken waren so dämlich mich halb am Hintern oder in den Finger zu stechen).
Nach 2 Tagen habe ich ein Antimückenmittel aufgetragen (ich hatte mir ein spezielles Tropenmittel in Deutschland gekauft) und siehe da, sie wollten mich nicht mehr. Aber stinken tut das Zeug auch abartig. Wahrscheinlich wollen mich nicht nur die Mücken mit dem Zeug nicht mehr ...

Mittwoch, 8. Oktober 2008

Strandwochenende in Paúba

Wie Christian ja schon in seinem letzten Kommentar verraten hat, war ich am Strand. Genauer gesagt in Paúba - irgendwo zwischen São Paulo und Rio de Janeiro (Strände in der Gegend um São Sebastião: hier könnt ihr euch alle Strände dieses Blogeintrags bei Sonnenschein anschauen).
Der Ausflug hat sich auf jeden Fall gelohnt und wenn ich mal zuviel Geld haben sollte, weiß ich schon, wo ich mir ein Häusel für meine ruhigen Tage kaufe...

ein Strandhäusel in Paúba

Eigentlich sollte es für ein verlängertes Wochenende (mein Praktikumsbetreuer hat mir freundlicherweise freigegeben) in die Nähe von Ubatuba gehen - mit Gisela, Marcelo und dessen Familie (seine Eltern, seine Schwester Luzie, welche ich bereits kannte, und seine Schwester Isabel mit ihrem Freund). Die Unterkunft der Wahl sah auch sehr verlockend aus (http://www.casamila.com.br/), der Wetterbericht leider nicht. Es sollte erstaunlicherweise das ganze Wochenende regnen.

der Strand von Paúba

Deshalb hat man sich am Donnerstag spontan umentschieden und das Haus von Freunden als Zielunterkunft ausgesucht - die sparsame Variante (die Freunde überliessen Marcelos Familie freundlicherweise ihr wunderschönes Wochenendhaus)
Der Wetterbericht stimmte leider diesmal exakt - es hat eigentlich ständig geregnet und die Sonne habe ich nur am Samstag mal für ein Stündchen gesehen. Dennoch fand ich es wunderschön. Ich glaube bei Sonnenschein ist die Gegend dann einfach unbeschreiblich.

Surfmuseum im Nachbarort Maresias

Paúba ist ein kleiner Ort, der größtenteils aus luxuriösen Wochenendhäusern, ein paar Fischerhütten und nicht ganz so schönen Häusern der Einwohner besteht. Achso, ein Hotel gibt es auch, direkt am Strand, aber ein wirklich sehr kleines. Paúba ist wahnsinnig ruhig - das einzige was ich beim Einschlafen gehört habe, war das Meeresrauschen und ein paar Vögel gepaart mit den Regentropfen, die auf unsere wunderschöne Unterkunft niedergingen. Ob es ein Restaurant gibt, kann ich euch nicht einmal sagen, aber mit dem Auto ist man ganz fix in Maresias - einem der Surfparadiese Brasiliens und dem Partystrand der Paulistanos (der Einwohner von São Paulo). Zumindest soll dort im Sommer und bei Sonnenschein viel los sein, davon habe ich jedoch überhaupt nix gemerkt. Aber schöne Restaurants, wo man auch mal leckeren Fisch essen kann, gibt es dort auf alle Fälle.

Baden im Atlantik

Was habe ich also von Freitagabend bis Dienstagmorgen in Paúba und Umgebung gemacht? Natürlich war ich im Atlantik baden. Es war unbeschreiblich schön, da sich der Himmel gerade leicht rötlich färbte und das Wasser total sauber und die Wellen richtig schön waren. Ich fand das Wasser ja richtig warm - meines Erachtens wärmer, als es die Ostsee im Sommer schafft - aber Marcelo meinte, so kalt habe er das Meer noch nie erlebt.
Außerdem bin ich am Strand rumspaziert und habe nachts Krebse am Strand beobachtet (die waren richtig groß, zum Glück bin ich nicht versehentlich drauf getreten). Die meiste Zeit habe ich aber eigentlich einfach nur gefaulenzt (natürlich klassisch in der Hängematte liegend), habe mir andere Orte in der Gegend angeschaut oder war in leckeren Restaurants essen. Natürlich gab es auch wieder ein Churassco (Barbecue) - diesmal aber in familiärer Form, also mit viel Fleisch und wenig Bier.
Am Sonntag war ich zudem mit zur Wahl (in ganz Brasilien wurden neue Bürgermeister gewählt). Aber dazu erzähle ich euch diese Woche mal noch mehr. Das würde sonst diesen Eintrag sprengen.

abendliche Stimmung am Strand
(ich bin gerade noch im Wasser)

Unsere Unterkunft war echt klasse. Es gab ziemlich viele Schlafzimmer - ich glaube 5 oder 6 - und jedes hatte sein eigenes Bad (einen Badezimmerstreit wird es in diesem Haus wahrscheinlich nie geben). Am beeindruckendsten - mal abgesehen vom Grundstück und der Terasse - war wohl der Wohnraum, welcher sich über zwei Etagen verteilte. Überall im Haus hingen interessante, von der Besitzerin teilweise selbst gemalte Bilder und andere Schmuckstücke herum. Das Haus steht in zweiter Reihe zum Strand, hat aber das Glück, dass das Grundstück davor nicht bebaut ist, so dass man direkt aufs Meer schauen kann. Die Freunde von Marcelos Familie haben das Grundstück aber bereits vor mehr als zwanzig Jahren gekauft und dort gebaut - damals war das Land noch billig, was man heute nicht mehr so sagen kann.

ein Teil des Wohnzimmers
(oben ist die Fernseher-Lümmel-Ecke)

Das Haus der Freunde von Marcelos Familie ist nicht das einzige in Paúba und Umgebung, welches so schön ist. Jedes hat seinen eigenen Stil und ist architektonisch sehr wertvoll. Im Nachbarhaus scheint ein Schwimmer sein Ferienhaus zu haben, zumindest erzählte mir Marcelo, dass man während des Hausbaus sehen konnte, wie er einen 25m-langen Pool in seinen Garten integrierte (wegen einer hohen Mauer, habe ich leider keinen Blick darauf werfen können). Crazy - sag ich da nur. Zur Zeit steht ein Haus in Paúba zum Kauf für 3 Millionen Reais. Dank Börsencrash sind das zur Zeit nur 1 Million Euro (trotz weltweiter Probleme, ist der Crash für mich im Moment doch recht positiv: vom anfänglichen Wechselkurs von 1:2,3 bin ich jetzt bei fast 1:3 gelandet). Also wer noch was übrig hat, dem kann ich ein Haus in Paúba wärmstens empfehlen ...

der Strand in Toque Toque Pequeno

Nun noch die Reiseinformationen: Hinzu konnte ich glücklicherweise im Auto bei Marcelo und Gisela mitfahren. Viel gesehen habe ich nicht, da es schon dunkel war. Ziemlich kurvig war die Fahrt aber auf alle Fälle. Die Kurven gefielen Giselas Magen auch nicht so recht, so dass sie nach fast 5 Stunden Fahrt (wir mussten leider des öfteren anhalten) mit leerem Magen in Paúba ankam. Rückzu musste ich, da Marcelo und Gisela noch bis Donnerstag am Strand bleiben, mit dem Bus fahren. Dank Internet und Busbahnhof hatten wir dann auch eine passende Verbindung gefunden. Doof nur, dass der Erste der drei Busse nicht wie erwartet kam. Zum Glück haben mich Marcelo und Gisela dann per Auto zu dem etwa 25 Minuten entfernten zweiten Bus gebracht. Der sollte 10:00 in São Sebatião abfahren - Punkt 10:01 waren wir nach rasanter Autofahrt auch gerade noch pünktlich da. Von dort ging es mit dem Bus in reichlichen 2,5 Stunden nach São José dos Campos. Dort habe ich dann eine Stunde im Busbahnhof rumgesessen, um dann mit einem anderen Bus nach Itajubá zu fahren. Die beiden Busse waren superbequem und trotz der Entfernungen ziemlich billig. Die Aussicht aus dem Bus war mal wieder beeindruckend, sieht doch hier einfach irgendwie alles anders als in Deutschland aus. Leider habe ich auch einen Teil der Fahrt aufgrund der superbequemen, fast 45 Grad kippbaren Sitze verschlafen.

Marcelos Schwester Isabel und ihr Freund
beim Faulenzen

Und eine besondere Art von Frau habe ich hassen gelernt - obwohl der Bus sehr leer war, beharrte sie darauf, auf den Plätzen 13 und 14 Platz zu nehmen (das Stand wohl auf ihrem Ticket), obwohl ich es mir dort schon seit einer Stunde gemütlich gemacht hatte (auf meinem Ticket stand seltsamerweise kein Sitzplatz). Die größte Frechheit ist aber, dass, nachdem ich also umgezogen war, ihr der Platz scheinbar doch nicht mehr so gefiel und sie sich mit ihrer Begleitung auf einen völlig anderen Sitzplatz setzte. Eine absolute Frechheit. Der Sitzplatz den ich danach gewählt habe, hatte nämlich den Nachteil, dass das Fenster scheinbar nicht richtig schloss und es damit ziemlich kalt wurde.

Mittwoch, 1. Oktober 2008

Aussichten auf und um Itajubá

Jetzt habe ich fast eine komplette Woche keinen Blog geschrieben und dafür mal die verschiedensten Aussichten in der Kleinstadt Itajubá genossen und außerdem mal alles, was so liegen geblieben war, erledigt und mich halb zu Tode gefroren...

Monstergewitter im Anmarsch, normalerweise sind
im Hintergrund schöne Berge zu sehen

Erst einmal kann ich euch sagen, dass man auf die Wetterberichte hier nicht viel geben kann. Ich konsultiere im Allgemeinen zwei und diese weichen schon mal enorm voneinander ab. Außerdem kommt dann doch alles anders als gedacht. Kalt war es also letzte Woche - natürlich nicht so kalt wie bei euch - aber ohne Heizung gerade Nachts (wo das Thermometer ja deutlich unter 10Grad wandert) wirklich bitterkalt.
Dann kommt es aber vor, dass es plötzlich wieder total warm ist und man gar nicht mehr weiß, wieso man gestern noch dicke Socken im Bett an hatte.

das Monstergewitter ist
im Anmarsch

Samstag sollte es also schön sein, laut Wetterbericht. Das war es auch, zumindest von ein bis zwei Uhr - genau dann, wo ich im Restaurant zu Mittag aß. Danach wollte ich meinen Sportclub auskosten und mit dem Rad hin fahren und schwimmen (und baden) und in den Fitnessraum gehen und mich sonnen. Das wurde aber erst einmal nix, denn dann kam ein Monstergewitter, was die Wetterleute scheinbar übersehen hatten. Innerhalb von Minuten war es dunkel und schüttete und gewitterte so dolle, wie ich es in Deutschland eigentlich noch nicht erlebt hatte. Immerhin haben sie den Wetterbericht dann sofort aktualisiert und siehe da, es sollte nur noch Regen geben dieses Wochenende. Aber nach dem heftigen Guss, habe ich lediglich aus meinem Wasserhahn und der Dusche noch Wassertropfen kommen sehen.

Gewitterspuren auf dem Weg (Abkürzung) zum Club

Ich war dann also doch noch kurz im Club, abends in einem tollen Restaurant (bei 10 Grad saßen wir natürlich draußen) und dort gab es dann auch noch die Geschichte der Geschichten. Ich habe um die 15 Deutsche in Itajubá getroffen - angehende Wasserbauingenieure von der Offiziershochschule in München, welche gerade auf Exkursionsreise in Brasilien waren (die Geschichte verbreitet sich hier übrigens als die "Invasion der Deutschen"). Da Marcelo unbedingt wissen wollte, was die scheinbar Deutschen (er hatte das mal wieder ganz klar erkannt, denn wer rennt schon bei 10 Gad im T-Shirt rum) denn in einem Kaff wie Itajubá machen, habe ich die Gruppe also gefragt.

7 von ihnen sind wir dann den ganzen Abend nicht mehr losgeworden. Erst einmal durften wir ihnen eine Taxi rufen (natürlich konnte keiner von denen ein Wort Portugiesisch) und sie dann in die Bar Cultural (einen Studentenclub) begleiten (wo sie gleich mal beim Bestellen eines Bieres scheiterten). Da dort nix los war (also es gab schon eine Band, aber die spielte vor vielleicht 20 Leuten und normalerweise passen in die Räumlichkeiten 2000) sind wir mit ihnen weiter in den Pub gezogen - eine Art Disko mit Technomusik. Aber irgendwie hat dort drinnen eh nur jeder gequatscht, so dass sie die Musik auch ausmachen hätten können... Dort traf ich noch eine Menge bekannte Gesichter und weiß wieso ich hier nicht gerne weggehe - man ist ständig damit beschäftigt Männer abzuwimmeln... Auf der anderen Seite wollten alle Single-Brasilianerinnen mit den Deutschen verkuppelt werden. Verständigung natürlich nur über Körpersprache. Sehr witzig kann ich euch sagen... Ich glaub wir haben gegen 4:15 den Club wieder verlassen - ein ungeplanter, aber dennoch lustiger Abend!

ich vor meiner brasilianischen "Heimatstadt" Itajubá

Am Sonntag bin ich mit Gisela, Marcelo und Pedro (dem Mitbewohner von Marcelo) auf dem Dach des Hochhauses, in welchem sich die WG von Marcelo und Pedro befindet, gewesen. Natürlich war ich der Grund, wieso wir unbedingt da hoch mussten (ich muss doch unbedingt mal das schöne Itajubá von oben sehen) und nach ein bisschen Überredungskunst hatten wir vom Doorman den Schlüssel bekommen - in Deutschland undenkbar.

die berüchtigte Leiter, die
Satellitenschüssel und Marcelo

Über eine Leiter ging es an der Satellitenschüssel (mein Hintern ist gar ni so dick, immerhin bin ich gut vorbei gekommen, manch anderer musste drum herum klettern) vorbei auf das ungesicherte Dach samt Blitzableiter. Der Blick war echt toll, aber dennoch hatte ich ein leicht mulmiges Gefühl mitten auf einem Dach zu stehen.

Pedro post auf dem Dach

Danach schauten wir uns noch den Betriebsraum der Fahrstühle an (also dort wo das obere Ende der Fahrstühle ist) und präsentierten uns dann alle vier zur Schlüsselabgabe beim Doorman (nicht dass er denkt, einer wäre auf dem falschen Weg nach unten gekommen...).

Danach bin ich mit Marcelos Rad über Itajubás Holperpisten und eine verschlammte Schotterpiste zum Baden in meinen Club gefahren und habe die Landschaft um Itajubá herum genossen.

die Straße zum Clube Itajubense

Als Schlussbemerkung noch eine neue Busgeschichte. Heute fuhren wir gleich mal mit offener Tür durch die Gegend. Ich hatte mir schon überlegt, wie ich den kleinen Jungen (
der genau vor mir an der Tür stand) rette, wenn wir die eine böse Kurve mal wieder mit gefülltem Vollgas fahren, und ich zum Held von Itajubá werde. Aber nach der Hälfte der Fahrt fiel dem Busfahrer dann doch ein, dass wir ja Türen haben... (erstaunlicherweise konnte man die sogar zu machen - scheint neu hier in Brasilien zu sein) Nix da mit Held sein...

Donnerstag, 25. September 2008

Das erste Mal ...

... einen Film komplett in Portugiesisch angeschaut, einen kompletten Gottesdienst durchgemacht, in Brasilien verzweifelt und hier eine Postkarte bekommen. Das sind so meine letzten Tage zusammengefasst.

Am Wochenende wagte ich das Filmabenteuer - zum Einstieg wählte ich natürlich einen deutsche Film, den ich bereits kenne: Adeus Lenin, also Goodbye Lenin. Damit es auch wirklich eine Übung wurde, verzichtete ich auf den möglichen deutschen Untertitel, und wählte alles in Portugiesisch. Mist nur, dass das gesprochene Portugiesisch ziemlich vom portugiesischen Untertitel abwich. Was haben die sich nur dabei gedacht? Verstanden hab ich erstaunlich viel vom Film, nur am Ende musste mir Marcelo mit dem Inhalt etwas auf die Sprünge helfen. Marcelo fand den Film toll, Gisela hat ihn zumindest halb verschlafen (so langweilig sind deutsche Filme also) - betonte aber, nachdem sie sich das Ende später angeschaut hatte, dass auch sie ihn gut fand.

hier war ich zum Gottesdienst

Am Sonntagabend ging ich das erste Mal in meinem Leben wirklich zu einem Gottesdienst (abgesehen von welchen, die ich bei Kirchenbesichtigungen zufällig gestört habe). Im größten katholischen Land der Welt, musste ich mir das natürlich mal anschauen. Gisela nahm mich mit und sagte mir auch, was ich zu tun hatte (zum Glück). Anfangs fand ich es ja noch ganz witzig, wie alle von der Kirche in ihren weißen Kitteln in die völlig überfüllte Kirche einmarschierten und sangen. Nach dauerndem Aufstehen und wieder Hinsetzen, wobei das Stehen den größten Teil der Zeit in Anspruch nahm, fand ich es dann irgendwie nicht mehr so toll. Verstanden habe ich so gut wie nix, trotz Zettel zum Mitlesen (außer "Gott ist in eurem Herzen" & "uns gehört nix, alles gehört Gott"). Mittlerweile weiß ich auch, wieso ich nicht christlich bin - die haben ja alle andauernd gesungen, also absolut nix für mich. Ich habe immer fleißig meinen Mund zu dem Text auf dem Zettel mitbewegt, damit ich auch ja nicht zu sehr auffalle.

Also es mir zu langweilig wurde habe ich meine Blicke durch die nicht gerade besonders schöne Kirche schweifen lassen. Ziemlich bunte, irgendwie zu bunte, Bilder und 14 Ventilatoren. Abgehoben sind wir aber nicht, den scheinbar werden die nur im Sommer angemacht.
Nach bestimmt 50 Minuten umarmten sich auf einmal alle und sahen sehr freudig aus - irgendwie dachte ich, ah schön endlich ist der Gottesdienst vorbei. Das war aber gar nicht so. Der Frieden Gottes wurde verteilt und da musste man allen um sich herum die Hand schütteln bzw. die Leute, die man näher kennt, umarmen. Auch das habe ich überstanden, nach dem mich Gisela aufgeklärt hatte.
Nachdem die wirklichen Katholiken alle noch ein kleines Stück von einer Art Brot bekamen und beteten, war der Gottesdienst nach über einer Stunde vorbei.

die Hauptkirche von Itajubá

Lustige Erfahrung, aber ein zweites Mal bekommt mich keiner zu einem solchen Gottesdienst. Viel zu anstrengend und langweilig.

Gestern bin ich dann das erste Mal so richtig in Brasilien verzweifelt. Mein Trainer ist diese Woche in Sao Paulo, so dass ich nicht, wie sonst beim ihm vom Schwimmclub zurück nach Itajubá fahren konnte. Na gut, nehme ich also, wie ja auch hinzu, den Bus. Der sollte laut dem Mann an der Rezeption auch gleich kommen. Aber nix da von Bus. Nach 40 Minuten in mit nassen Haaren in der Kälte warten (ja es ist zur Zeit für hiesige Verhältnisse sehr kalt) und das bei absoluter Dunkelheit, keinem Mensch um mich herum und unter einem Sternenhimmel, der so gar nicht, wie der deutsche aussieht, habe ich aufgegeben. 40 Minutenlang habe ich jedem Licht zugefiebert, dass es ein Bus ist und dann war es wieder nur ein Auto oder ein Lkw (denen ich natürlich, in Hoffnung, es sei ein Bus, fälschlicherweise zuwank). Viele Autos sind insgesamt nicht vorbei gefahren - vielleicht insgesamt 20-25. Ihr seht es war also ziemlich ruhig. Letztendlich bin ich zurück zum Club und habe dann eine junge Frau gefragt, ob sie mich mit nach Itajubá nehmen könnte. Das hat dann glücklicherweise auch geklappt.
Fazit: Ich werde nie wieder versuchen rück zu den Bus zu nehmen. Ich werde einfach ganz dreist irgend wen im Club fragen.

Und nun noch zur Postkarte. Ja also wenn man mal 1,5 Monate keine Post bekommt, fiebert man doch tatsächlich der Post entgegen, von der man weiß, dass sie nach Brasilien unterwegs ist. Und trotz nicht vorhandenem Briefkasten - hier wird die Post beim Door-Man abgegeben - hat mich heute eine Karte aus Zypern erreicht. Vielen lieben Dank an meine Eltern! Ich hab mich sehr gefreut.

Montag, 22. September 2008

As suas marcas

Heute war also mein erster Wettkampf in Brasilien. Ein ganz kleiner von meinem Club (Clube Itajubense), wer mitschwimmen wollte, konnte mitschwimmen und teilweise konnte man wohl auch noch High-Live entscheiden, ob man gerade Lust für die Strecke hat.

Natürlich hatte ich wie immer Glück und es hat den ganzen Tag geschifft. Aber langsam gewöhne ich mich dran, dass das scheinbar jedes Wochenende so ist.

Fitnessraum-, Sauna- & Indoorpool-Gebäude
im Clube Itajubense

Geschwommen wurden 98m Lagen und 49m in allen vier Schwimmarten. Die komischen Meterzahlen kommen zu stande, weil das Becken ja falsch gebaut wurde und ein halber Meter zu den 25m fehlt. Naja Brasilien halt.

Der Wettkampf hatte sage und schreibe 35 Wettkämpfe und das nur weil die Altersklassen je einen Wettkampf bekamen. Im Endeffekt hieß das für mich, mangels Starterzahl in der Erwachsenen-Startklasse, dass ich gleich mal mit den Männern in einem Lauf schwimmen durfte.
Die Zeiten sind erstaunlich gut, aber so ganz traue ich denen nicht. Wahrscheinlich läuft nicht nur die gefühlte Zeit hier langsamer, sondern auch die Zeit der Stoppuhren. Oder das Becken ist sogar noch kürzer...

der Wettkampfpool und sogleich auch
mein Trainingspool

Gewonnen habe ich alle Strecken und außer 50m Freistil auch alles gegen die Männer. Ich hoffe die hören nach dieser Niederlage jetzt nicht auf zu schwimmen. Dann hätte ich ja gar niemanden mehr, der mit trainiert. Oder ich habe sie angespornt und sie werden sich ins Zeug legen und ganz fleißig trainiere.

Für den Kenner meine Zeiten (die genauen Zeiten will mir der Trainer noch aufschreiben): 98m Lagen habe ich in 1:11 hinter mich gebracht. 49m Schmett im Wellenbad (mangels wellenbrechender Leinen) war ziemlich anstrengend und war dann auch nur eine 32. Dafür bin ich trotz Rücken Zick-Zack-Schwimmen eine 34 auf den 49m geschwommen. Der Hammer war eigentlich 49m Brust, den da stoppte man mir eine 37. Da waren die Jungs geschockt, den ich hatte ja erzählt, dass ich Brust nicht mag. Und auch der Trainer musste über die Aussage lachen. Freistil habe ich mich versucht an die Jungs zu hängen und war mit ner 28,4 auch nicht so weit hinter ihnen.

mein T-Shirt und die Medaillen

Es gab übrigens sogar Medaillen, so dass ich jetzt ein schönes Andenken aus Brasilien habe. Außerdem habe ich am Freitag vom Coach ein T-Shirt geschenkt bekommen. Das ist zwar leider ziemlich groß, aber hat dafür ein ganz tolles Motiv. Also beschweren kann ich mich in keiner Weise...

Der Coach sagte mir im Nachhinein noch, dass es schön ist, dass ich mit geschwommen bin und das ich der “Star” der Veranstaltung war (besonders für die vielen kleinen Kinder) – zum einen, weil ich aus Deutschland komme und zweitens, da ich so schnell und für deren Verhältnisse auch schön schwimme. Ein Kind wollte auch gerne meine TU Dresden Badekappe haben, was ich aber ablehnen musste, da ich sie zum einen sehr gerne habe und zum Tausch auch nur eine normale Kappe ohne Schrift bekommen hätte. Ich hoffe, dass Kind weint jetzt nicht...

ein weiterer Teil des Clubs - schön nass
vom Dauerregen

Insgesamt lief alles etwas chaotisch ab und die Bahneinteilung nahm mein Trainer nach Belieben vor. Und wenn noch wer fehlte, dann wurde halt gewartet ... Aber insgesamt, trotz Regen, nen schönes Brasilienerlebnis.

P.S.: “As suas marcas” ist hier das Startkommando.

Donnerstag, 18. September 2008

Eine Busfahrt, die ist lustig ...

Gestern bin ich das erste Mal in Brasilien Bus gefahren. Ihr fragt euch, wieso das so berichtenswert ist? Zunächst gibt es hier keine wahren Buspläne. Also irgendwie schon, aber die muss man erst einmal finden. An den Haltestellen gibt es zumindest keine & Haltestellen muss man sich sowieso selber suchen - mangels eines Streckenplanes. Durch das Internet und meine Mädels aus der WG (besonderen Dank an Fernanda, die für mich sogar noch die eine Buslinie angerufen hat) hatte ich irgendwann ein paar Zeiten von 2 Buslinien in die Städte Ano Bom & Maria da Fé. Dort wollte ich ja eigentlich gar nicht hin, sondern nur zu meinem neuen Sportclub. Deshalb habe ich von Fernanda auch noch zwei Sätze bekommen, zum fragen, ob der Bus dort hält & ob sie mir sagen können, wann ich aussteigen muss.
Carol verriet mir außerdem noch, wo ich eine Bushaltestelle finde.
Laut meines Wissens sollten 17:00, 17:15 und 17:20 Busse in meine Richtung fahren. Also war ich kurz vor 17Uhr an der Haltestelle.

Hier, zu eurer Belustigung, mein Gedankengang vor und während der Busfahrt:
An der Haltestelle standen ziemlich viele Leute - ich hoffte nur, dass diese nicht alle in meine Richtung mussten. Irgendwie kam ich mir blöd vor mit meinem Rucksack voller Trainingssachen - hatte man mir doch erst vor kurzem gesagt, dass man mich mit dem Rucksack aus 100m Entfernung als Nicht-Brasilianer erkennt. Dementsprechend schienen mich die Leute auch zu mustern. Besonders der eine etwas arm gekleidete Schwarze. Hier gibt es ja viele Schwarze, so dass das ja für mich nix besonderes mehr ist. Aber irgendwie störten mich seine Blicke. Ich kramte derweil erst einmal genügend Kleingeld zusammen, um wenigstens im Bus nicht negativ aufzufallen.

Irgendwie war es lustig Leute an der Haltestelle zu beobachten. Die meisten hatten die Ruhe weg und wahrscheinlich auch noch nie in ihrem Leben eine Armbanduhr ums Handgelenk. Zwei Schulkinder fingen an mit den achtlos auf eine Wiese geworfenen Abfällen zu spielen. Hmm, echt lecker. Natürlich sprach mich mal wieder ne Mutter an und wollte sich beklagen, dass es doch so kalt ist. Ich nickte nur grinsend und meinte "Sim, muito frio..." (Ja, sehr kalt...)

Von einem Bus war derweil nix zu sehen. Ich übte also noch einmal fleißig meine beiden Sätze, welche eigentlich ziemlich einfach waren. Nach 15 Minuten warten bekam ich die ersten Zweifel, ob ich auch an der richtigen Haltestelle stehe. Es kamen zwar eine Menge Busse hier vorbei, aber nicht meine. Aber ich erkannte Leute, die schon vor mir an der Bushaltestelle waren und mit irgendwas wollten die ja sicher auch fahren. Außerdem vertrieb ich mir die Zeit damit aus den wartenden Menschen Sportler, die eventuell ebenfalls zum Club fuhren, rauszufischen. Siehe da, dort hatte sogar einer eine Trainingsjacke von dem Club an.

17:30 kam endlich ein Bus Richtung Ano Bom. Leider stieg der Trainingsjackenmensch nicht ein. Dafür aber dutzende andere Menschen, so dass ich meine zwei Sätze lieber für mich behielt und hoffte, dass ich im richtigen Bus bin. Im Bus stürmte ich sofort zum Ende, da ich dort 2 Haltewunschknöpfe entdeckt hatte. Die Idee hatten aber irgendwie viele, so dass ich mir wie eine Ölsardine vorkam, welche sich in die letzte Ecke verkrochen hatte, um die Letzte zu sein, welche gegessen wird.

Der Bus schien dann erst einmal in meine Richtung zu fahren, hielt aber alle paar Meter an der vermeintlich nächsten Bushaltestelle. Mittlerweile hatte ich auch noch den berühmtberüchtigten Stop-Strick gefunden (der läuft durch den ganzen Bus, ungefähr da, wo oben die Haltestangen sind). Bloß dachte ich, dass es entweder den Strick gibt oder die Haltewunschknöpfe, wie in deutschen Bussen. Aber Kinder konnten doch gar nicht an diesen Strick kommen, also ist das bestimmt gar kein Stopstrick. Wenig später wurde ich eines besseren belehrt - ein Mädchen hüpfte Richtung Strick und wenig später stoppte der Bus an einem einzelnen Haus. Beim Losfahren an Haltestellen sind erstaunlicherweise die Türen noch halb offen, was mir doch ein wenig Angst bereitete - das nächste Mal stelle ich mich wohl nicht direkt an die Tür.

Mittlerweile hatte ich in dem völlig überfüllten Bus sogar "Sportler" entdeckt und meinte sogar welche schon mal in dem Club gesehen zu haben. Kurz vor dem Club (ich hatte auch schon erkannt, dass er gleich kommen müsste) riss jemand am Haltstrick und die erahnten Sportler und ich stiegen aus.

Puh geschafft, war doch alles gar nicht so schwer. Morgen dann auf ein neues Busabenteuer Richtung Clube Itajubense (http://www.clubeitajubense.com.br/index-site.html).

P.S.: Rückzu bin ich bei dem Schwimmtrainer im Auto mitgefahren, nachdem ich eine Stunde geschwommen bin und dann unter fachkundiger Anleitung (speziell auf meine Bedürfnisse zugeschnittenes) Krafttraining gemacht habe.