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Dienstag, 23. Dezember 2008

Rio de Janeiro

Die Cidade maravilhosa - die wunderbare Stadt, wie sie die Einwohner nennen - begrüßte uns zunächst erst einmal von ihrer schlechten Seite. Zum einen haben wir aufgrund des totalen Verkehrschaos vom Flughafen zum Hostel 2 Stunden gebraucht, zum anderen war die Klimaanlage des Busses auf gefühlte Minusgrade eingestellt, so dass ich mörderisch gefroren habe. In Rio de Janeiro regnete es derweil bei kalten 18 Grad. Bisher hatten wir auf unserer Reise nur Glück mit dem Wetter gehabt. Die 2,5 Rio-Tage sollten eher durchwachsen werden.

alles Sehenswerte auf einem Blick

Wir hatten bereits vorher ein Hostel an der Copacabana reserviert. Diesmal war unser Zimmer auch nicht durch jemand anderen belegt - welch ein Wunder. Dafür stellte sich das Hostel (Mellow Yellow) als totaler Fehlgriff heraus, aber dazu später mehr...

Zentrum von Rio: alt & neu
ganz nah beieinander

Aufgrund des regnerischen und kalten Wetters machten wir am ersten Abend nur eine kleine Erkundungstour um unseren Block. Dafür beteiligten wir uns am Abend an einem Quiz im Hostel, wo wir versuchten mit zwei Franzosen und einem Polen den ersten Platz zu belegen und damit einen Satz T-Shirt zu gewinnen. Da die Fragen sehr britisch zugeschnitten waren, hatten wir mit unserer Teamzusammensetzung leider (trotz Mogelns) keine Chance auf den Gewinn. In der ersten Nacht im Hostel durften wir dann auch die tolle Lage unseres Zimmers feststellen: alle, die das Hostel verlassen wollten bzw. wieder nach Hause kamen, mussten bei uns vorbei. Aufgrund der Party-Süchtigen und Facebook-fanatischen Backpacker (ich glaube von den Sehenswürdigkeiten in Rio haben sie nicht wirklich etwas gesehen) sind wir daher ständig aufgewacht, besonders als 4:30 die Bar im Hostel zumachte und alle in irgendeinen Club weiterzogen.

Teatro Municipal

Wegen des mittelmäßigen Wetters besuchten wir am nächsten Tag zunächst das historische Zentrum. Neben einem Kloster und einigen Kirchen bekamen wir hier viele historische Gebäude und Hochhäuser zu sehen - also alt und neu auf einem Fleck. Das Teatro Municipal - das städtische Theater - haben wir während einer Führung von Innen bewundern können. Im Moment befindet es sich aber gerade in der Restaurierung (welche im Juli 2009 pünktlich zum 100. Geburtstags des Theater beendet sein soll), so dass noch nicht wieder alles im alten Glanz erstrahlte. Beeindruckend war auch das Real Gabinete Português de Leitura - eine wunderschöne Bibliothek mit zahlreichen bis zu 500 Jahre alten (zum größten Teil portugiesischen) Büchern.

Real Gabinete Português de Leitura

Mit der Bonde - einer alten Straßenbahn - sind wir auf den letzten Überresten des einst 400 km langen Schienennetzes von Rio vom Zentrum in das Künstlerviertel Santa Teresa gefahren, von wo man einen schönen Blick auf das Zentrum von Rio de Janeiro hat. Die Fahrt kostete lediglich 0,60 Real, fährt man aber als Trittbrettfahrer (an der Seite auf den Trittbrettern stehend) mit, so ist die Fahrt sogar kostenlos. Wir zahlten lieber und machten es uns auf den Sitzbänken gemütlich, hatten wir doch bereits vorher von der gefährlich engen Überfahrt über das frühere Aquädukt Arcos da Lapa gehört. Die Schulkinder von Santa Teresa hingegen gönnten sich (und uns) den Spaß und fuhren auf den Trittbrettern mit und vollführten Kunststücke oder rannten neben der Bahn her, um letztendlich in einem Fotoalbum in Europa oder Amerika zu landen (oder halt in meinem Blog ;-) ).

Trittbrettfahrer

Christian ließ es sich trotz Schmuddelwetters nicht entgehen am Abend an der Copacabana im extrem kalten und total welligen Atlantik baden zu gehen (vermutlich herrschte gerade eine komische Strömung vor, schließlich ließen die Temperaturen eher an die Ostsee als an Brasilien erinnern). Lange hielt er es allerdings nicht aus. Von der Copacabana aus erspähten wir auch zum ersten Mal die Christus-Statue, welche uns aufgrund der vielen Wolken den ganzen Tag über verborgen geblieben war.

Copacabana zur Abenddämmerung

Am nächsten Morgen fuhren wir zum Zuckerhut. Mit der überteuerten Seilbahn ging es zunächst zur Mittelstation, wo wir neben kleinen Affen einen wunderschönen Blick auf Rio de Janeiro hatten. Hier konnte wir außerdem die alten Gondeln, welche unter anderem aus dem James-Bond-Film "Moonraker - Streng geheim" bekannt sind, anschauen. Auch die Christus-Statue war gnädig und schob für kurze Zeit die Wolken zur Seite, so dass wir einen Blick auf die riesige Statue auf dem 704 m hohen Corcovado werfen konnten.

Christian auf dem Zuckerhut (links der
Corcovado mit der Christus-Statue)

Mit einer weiteren Gondel konnten wir schließlich auf den Zuckerhut hinauffahren. Aus 394 m Höhe hat man einen fantastischen Blick auf die in Berge und viel Grün eingebettete Küstenstadt Rio de Janeiro mit ihren kilometerlangen Stränden.

ich vor dem Zuckerhut (Mittelstation)

Als nächstes ging es nach Ipanema, wo wir am Strand wieder Sand einsammelten und die endlich herausgekommene Sonne genossen. Da wir leider keine Badesachen mit hatten fuhren wir zurück zu unserem Hostel und gingen dann an der Copacabana baden (das Wasser war immer noch verdammt kalt, aber mit der prallen Sonne war es auszuhalten).

Praia de Ipanema

Nachmittags trafen wir uns mit einem Stipendiaten der Stiftung der deutschen Wirtschaft am Forte de Copacabana. Er macht gerade ein Auslandssemester in Rio. Da wir leider nicht mehr viel Zeit hatten, schauten wir das Fort nur etwas halbherzig an und nahmen dann ein Taxi zum Fuße des Corcovado (von wo aus man mit einer Zahnradbahn zur Christus-Statue hinauffahren kann). Leider dauerte die Taxi-Fahrt länger als erwartet (der typische Feierabendstau - das ist der zwischen dem Nachmittags- und dem Nachtstau ;-) ), so dass wir leider erst nach Betriebsschluss der Seilbahn an der Talstation ankamen (laut unserem mit zahlreichen Fehlern behafteten Reiseführer wäre sie noch gefahren). Ein Guide bot uns an mit einem Van die Straße zur Christus-Statue zu fahren. Da diese aber, wie sollte es bei bedecktem Himmel auch anders sein, natürlich in Wolken eingehüllt war und uns andere Touristen sagten, dass zudem der Zugang zur Statue geschlossen ist, verzichteten wir auf diese Möglichkeit. Es kann halt doch nicht alles klappen auf so einer Reise. Aber das Wetter lässt sich halt nun mal nicht ändern.

Forte de Copacabana

Die letzte Nacht im Hostel wurde zur schrecklichsten Nacht in Brasilien überhaupt. Neben unserem Zimmer befand sich scheinbar der Warmwasserboiler. Durch einen offensichtlichen Defekt, heizte der Boiler die ganze Nacht über das Wasser auf (normalerweise sollte er das nur morgens machen), was sich für uns anhörte als würde jemand direkt neben unserem Bett Wasser kochen. Unser Hinweis auf das Problem wurde von der Rezeption abgeschmettert mit der Aussage, dass halt gerade viele duschen (wir haben mal nachgeschaut, eine Person duschte gerade). Da die Rezeption ab Mitternacht nicht besetzt ist, musste ich unsere Probleme und die Unmöglichkeit zu Schlafen beim Sicherheitsmann loswerden, der aber auch nix für uns tun konnte.

Christian ist zu groß für unser Zimmer

Blöderweise hatten wir schon am Abend vorher bezahlt (weil die Rezeption erst ab 8 Uhr besetzt ist und wir aber 7:30 zu unserem Bus los mussten). Bereits da hatten wir uns über zahlreiche andere Dinge beschwert. So hatten wir ja, wie bereits weiter oben geschrieben das wahrscheinlich blödeste Zimmer im ganzen Hostel. Hinzu kam ein Frühstück, welches man erst ab 9 Uhr (dafür aber bis 13 Uhr) einnehmen konnte (was sehr unpraktisch ist, wenn die Sonne 5 oder 6 Uhr aufgeht und 19 Uhr schon wieder unter). Zudem war das Frühstück miserabel. Je eine Käse- und eine Wurstscheibe, abgezählte 2 Fruchtstücken, Brötchen und Kuchen unbeschränkt, wobei es gar keinen Kuchen gab, entsprachen absolut nicht dem Standard, den wir in Brasilien bis dahin (auch in einfacheren Unterkunften) vorfanden. Am zweiten Tag musste ich sogar nach der Marmelade betteln. Wahrscheinlich sollte ich mein Brötchen trocken essen. Genannt wurde das Frühstück übrigens das beste kostenlose Frühstück in Rio (hmm, als hätten wir mit unseren Übernachtungskosten nicht auch das Frühstück mit gezahlt...). Naja aber nun genug zu dem extrem schlechten Hostel Mellow Yellow, welches ich keinem weiterempfehlen kann (die Beschwerdeliste könnte man noch beliebig fortsetzen).

Am morgen erwischten wir sogar noch jemanden vom Hostel und bekamen auch die Aussage, dass wir Geld zurück bekommen sollen (schließlich hatten wir kaum geschlafen in der letzten Nacht). Blöderweise ist der Typ clever gewesen und sofort darauf verschwunden, so dass wir ohne unsere Entschädigung zum Busbahnhof fuhren, um dort den Bus nach Itajubá zu nehmen.

die Copacabana vom Zuckerhut aus gesehen

Bis auf das Hostel war Rio de Janeiro aber auf alle Fälle lohnenswert und auch von der hohen Kriminalität bekamen wir glücklicherweise nicht viel mit. Natürlich sieht man überall an den Berghängen die Favelas, aber das war es dann aber auch schon. Sonst ist Rio doch sehr europäisch angehaucht und vergleichbar mit Weltstädten wie London, nur um ein vielfaches schöner (aufgrund der landschaftlichen Gegebenheiten) und vom Gefühl auch sauberer als der Rest Brasiliens.

Sonntag, 19. Oktober 2008

Eine brasilianische Farm

Heute hat mich Maurilio mit auf seine Farm genommen. Maurilio ist der Professor, der hier in Itajubá alles für mich organisiert hat (Arbeit, Unterkunft, Abholung am Flughafen, Bundespolizei, ...).

der Jeep, mit dem Maurilio übrigens
auch zur Uni fährt


8:30 sollte es losgehen und untypisch für Brasilien war er bereits 8:23 mit seiner Tochter (leicht jünger als ich) vor meiner Haustür. In seinem uralten Jeep (ich saß hinten drinne, mit freier Aussicht nach hinten) ging es aus Itajubá heraus, zunächst über asphaltierte Landstraßen, später dann über Wiesen steil den Berg hinauf. Alle 2 Minuten musste ein neues Tor geöffnet und wieder geschlossen werden, damit die Kühe auf der richtigen Weide bleiben. Das ständige Aussteigen hat zum Glück ein Freund von Maurilio gemacht, welchen wir auf der Fahrt eingesammelt haben.

ein Schuppen und im Hintergrund Bananenpflanzen

Nach einer reichlichen Stunde erreichten wir Maurilios Farmhäusel (auf dem Farmgelände waren wir schon eine ganze Weile unterwegs). Wie sollte es auch anders sein, nach wenigen Minuten fing es kräftig an zu regnen. Nach zwei Stunden in der Hängematte herumgammeln und am Feuer aufwärmen wagten wir uns das erste mal wieder heraus, konnten aber nur ein paar Wasserfälle und die noch sehr jungen Apfelbäume anschauen, bevor es wieder anfing zu regnen.

oben auf dem Berg (immer noch Maurilios Land),
leider lässt das Wetter zu wünschen übrig

Eine weitere Weile später - ich hatte mittlerweile bereut die halblangen Hosen angezogen zu haben, da es doch deutlich abkühlte - sah es endlich wieder freundlicher aus, so dass wir uns aufmachten, auf dem Farmgelände hinauf zu steigen und die Rinderherden zu suchen. Es ging Ewigkeiten auf kleinen Trampelpfaden und über zahlreiche Kuhfladen aufwärts und ich habe mich echt gefragt, wieso die Kühe immer auf die Berge rennen müssen. Als wir endlich oben angekommen waren konnten wir dann aber einen schönen Blick ins Tal werfen und auf die Kühe, die vor uns ausrissen.

ein Teil der Kuhherde

Maurilio hat, wenn ich mich jetzt nicht täusche, zwei Herden. Eine Herde hat 17 Rinder, die andere paar-und-20 (genau weiß ich es nicht mehr). Diese wenigen Rinder haben aber ein riesiges Gelände für sich und man muss sie teilweise wirklich suchen. Insgesamt sah es hier wie auf einer Alm in den Alpen aus, nur dass weniger Kühe aus den Quadratmeter kommen...
Abwärts ging es an großen Ameisenhaufen und Bienenstöcken im Baum vorbei und später dann über eine Bananenhain zurück zu Maurilios kleinem Häusel (selbst die Sonne kam heraus).

ich zwischen den Bananenpflanzen

Zwischendurch haben wir noch für mich völlige neue Früchte gegessen: Jabuticaba. Die wachsen direkt am Baumstamm und den Ästen und schmecken ähnlich wie Weintrauben. Die Schale ist sehr hart und schmeckt nicht wirklich. Innen sind mehrere größere Kerne, welche ich ebenfalls dem Waldboden überlassen habe. Nur das Fruchtfleisch ist so wirklich richtig essbar und sehr süß.

Jabuticaba

Außerdem haben wir noch zwei grüne Avocados für mich mitgenommen, die ich dann etwa in einer Woche essen kann. Und ich bekam eine Erläuterung verschiedener Bananensorten. Aber das sind zu viele, um die jetzt hier aufzuzählen. Merkt euch nur, aus eigener Erfahrung hier in Brasilien, dass nicht jede Banane reif ist, wenn sie gelb ist (ich wurde nach einem scheußlichen Geschmackserlebnis vor einiger Zeit belehrt, dass die eine Sorte erst reif ist, wenn die Schale schon fast komplett Schwarz ist).

Bevor wir wieder mit dem Jeep zurückfuhren, wurde uns von dem Mann, der sich in der Woche um die Farm kümmert, noch ein leckeres verspätetes Mittagessen zubereitet (Nudeln mit Kräutern und 'ner Art Tomatensauce und dazu leckeres Fleisch). Auf dem Rückweg mussten wir dem Wagen zweimal helfen, damit er heil nach unten kam. Da die Räder beim Anfahren am Berg im Schlamm durchdrehten, legten wir einen dicken Ast unter eins der Räder. Als es dann später sehr steil bergab ging, mussten alle außer Maurilio laufen, da wir nach dem köstliche Mittag zu schwer gewesen wären... (wahrscheinlich auch ohne das Mittag).

Maurilio fährt uns davon
(nur sein Freund hält noch mit)


Insgesamt ein wie immer verregneter, aber sehr schöner Ausflug. Nur die vorsorglich aufgetragene Sonnencreme war wohl mehr oder weniger verschwendet.

Mittwoch, 1. Oktober 2008

Aussichten auf und um Itajubá

Jetzt habe ich fast eine komplette Woche keinen Blog geschrieben und dafür mal die verschiedensten Aussichten in der Kleinstadt Itajubá genossen und außerdem mal alles, was so liegen geblieben war, erledigt und mich halb zu Tode gefroren...

Monstergewitter im Anmarsch, normalerweise sind
im Hintergrund schöne Berge zu sehen

Erst einmal kann ich euch sagen, dass man auf die Wetterberichte hier nicht viel geben kann. Ich konsultiere im Allgemeinen zwei und diese weichen schon mal enorm voneinander ab. Außerdem kommt dann doch alles anders als gedacht. Kalt war es also letzte Woche - natürlich nicht so kalt wie bei euch - aber ohne Heizung gerade Nachts (wo das Thermometer ja deutlich unter 10Grad wandert) wirklich bitterkalt.
Dann kommt es aber vor, dass es plötzlich wieder total warm ist und man gar nicht mehr weiß, wieso man gestern noch dicke Socken im Bett an hatte.

das Monstergewitter ist
im Anmarsch

Samstag sollte es also schön sein, laut Wetterbericht. Das war es auch, zumindest von ein bis zwei Uhr - genau dann, wo ich im Restaurant zu Mittag aß. Danach wollte ich meinen Sportclub auskosten und mit dem Rad hin fahren und schwimmen (und baden) und in den Fitnessraum gehen und mich sonnen. Das wurde aber erst einmal nix, denn dann kam ein Monstergewitter, was die Wetterleute scheinbar übersehen hatten. Innerhalb von Minuten war es dunkel und schüttete und gewitterte so dolle, wie ich es in Deutschland eigentlich noch nicht erlebt hatte. Immerhin haben sie den Wetterbericht dann sofort aktualisiert und siehe da, es sollte nur noch Regen geben dieses Wochenende. Aber nach dem heftigen Guss, habe ich lediglich aus meinem Wasserhahn und der Dusche noch Wassertropfen kommen sehen.

Gewitterspuren auf dem Weg (Abkürzung) zum Club

Ich war dann also doch noch kurz im Club, abends in einem tollen Restaurant (bei 10 Grad saßen wir natürlich draußen) und dort gab es dann auch noch die Geschichte der Geschichten. Ich habe um die 15 Deutsche in Itajubá getroffen - angehende Wasserbauingenieure von der Offiziershochschule in München, welche gerade auf Exkursionsreise in Brasilien waren (die Geschichte verbreitet sich hier übrigens als die "Invasion der Deutschen"). Da Marcelo unbedingt wissen wollte, was die scheinbar Deutschen (er hatte das mal wieder ganz klar erkannt, denn wer rennt schon bei 10 Gad im T-Shirt rum) denn in einem Kaff wie Itajubá machen, habe ich die Gruppe also gefragt.

7 von ihnen sind wir dann den ganzen Abend nicht mehr losgeworden. Erst einmal durften wir ihnen eine Taxi rufen (natürlich konnte keiner von denen ein Wort Portugiesisch) und sie dann in die Bar Cultural (einen Studentenclub) begleiten (wo sie gleich mal beim Bestellen eines Bieres scheiterten). Da dort nix los war (also es gab schon eine Band, aber die spielte vor vielleicht 20 Leuten und normalerweise passen in die Räumlichkeiten 2000) sind wir mit ihnen weiter in den Pub gezogen - eine Art Disko mit Technomusik. Aber irgendwie hat dort drinnen eh nur jeder gequatscht, so dass sie die Musik auch ausmachen hätten können... Dort traf ich noch eine Menge bekannte Gesichter und weiß wieso ich hier nicht gerne weggehe - man ist ständig damit beschäftigt Männer abzuwimmeln... Auf der anderen Seite wollten alle Single-Brasilianerinnen mit den Deutschen verkuppelt werden. Verständigung natürlich nur über Körpersprache. Sehr witzig kann ich euch sagen... Ich glaub wir haben gegen 4:15 den Club wieder verlassen - ein ungeplanter, aber dennoch lustiger Abend!

ich vor meiner brasilianischen "Heimatstadt" Itajubá

Am Sonntag bin ich mit Gisela, Marcelo und Pedro (dem Mitbewohner von Marcelo) auf dem Dach des Hochhauses, in welchem sich die WG von Marcelo und Pedro befindet, gewesen. Natürlich war ich der Grund, wieso wir unbedingt da hoch mussten (ich muss doch unbedingt mal das schöne Itajubá von oben sehen) und nach ein bisschen Überredungskunst hatten wir vom Doorman den Schlüssel bekommen - in Deutschland undenkbar.

die berüchtigte Leiter, die
Satellitenschüssel und Marcelo

Über eine Leiter ging es an der Satellitenschüssel (mein Hintern ist gar ni so dick, immerhin bin ich gut vorbei gekommen, manch anderer musste drum herum klettern) vorbei auf das ungesicherte Dach samt Blitzableiter. Der Blick war echt toll, aber dennoch hatte ich ein leicht mulmiges Gefühl mitten auf einem Dach zu stehen.

Pedro post auf dem Dach

Danach schauten wir uns noch den Betriebsraum der Fahrstühle an (also dort wo das obere Ende der Fahrstühle ist) und präsentierten uns dann alle vier zur Schlüsselabgabe beim Doorman (nicht dass er denkt, einer wäre auf dem falschen Weg nach unten gekommen...).

Danach bin ich mit Marcelos Rad über Itajubás Holperpisten und eine verschlammte Schotterpiste zum Baden in meinen Club gefahren und habe die Landschaft um Itajubá herum genossen.

die Straße zum Clube Itajubense

Als Schlussbemerkung noch eine neue Busgeschichte. Heute fuhren wir gleich mal mit offener Tür durch die Gegend. Ich hatte mir schon überlegt, wie ich den kleinen Jungen (
der genau vor mir an der Tür stand) rette, wenn wir die eine böse Kurve mal wieder mit gefülltem Vollgas fahren, und ich zum Held von Itajubá werde. Aber nach der Hälfte der Fahrt fiel dem Busfahrer dann doch ein, dass wir ja Türen haben... (erstaunlicherweise konnte man die sogar zu machen - scheint neu hier in Brasilien zu sein) Nix da mit Held sein...

Montag, 22. September 2008

As suas marcas

Heute war also mein erster Wettkampf in Brasilien. Ein ganz kleiner von meinem Club (Clube Itajubense), wer mitschwimmen wollte, konnte mitschwimmen und teilweise konnte man wohl auch noch High-Live entscheiden, ob man gerade Lust für die Strecke hat.

Natürlich hatte ich wie immer Glück und es hat den ganzen Tag geschifft. Aber langsam gewöhne ich mich dran, dass das scheinbar jedes Wochenende so ist.

Fitnessraum-, Sauna- & Indoorpool-Gebäude
im Clube Itajubense

Geschwommen wurden 98m Lagen und 49m in allen vier Schwimmarten. Die komischen Meterzahlen kommen zu stande, weil das Becken ja falsch gebaut wurde und ein halber Meter zu den 25m fehlt. Naja Brasilien halt.

Der Wettkampf hatte sage und schreibe 35 Wettkämpfe und das nur weil die Altersklassen je einen Wettkampf bekamen. Im Endeffekt hieß das für mich, mangels Starterzahl in der Erwachsenen-Startklasse, dass ich gleich mal mit den Männern in einem Lauf schwimmen durfte.
Die Zeiten sind erstaunlich gut, aber so ganz traue ich denen nicht. Wahrscheinlich läuft nicht nur die gefühlte Zeit hier langsamer, sondern auch die Zeit der Stoppuhren. Oder das Becken ist sogar noch kürzer...

der Wettkampfpool und sogleich auch
mein Trainingspool

Gewonnen habe ich alle Strecken und außer 50m Freistil auch alles gegen die Männer. Ich hoffe die hören nach dieser Niederlage jetzt nicht auf zu schwimmen. Dann hätte ich ja gar niemanden mehr, der mit trainiert. Oder ich habe sie angespornt und sie werden sich ins Zeug legen und ganz fleißig trainiere.

Für den Kenner meine Zeiten (die genauen Zeiten will mir der Trainer noch aufschreiben): 98m Lagen habe ich in 1:11 hinter mich gebracht. 49m Schmett im Wellenbad (mangels wellenbrechender Leinen) war ziemlich anstrengend und war dann auch nur eine 32. Dafür bin ich trotz Rücken Zick-Zack-Schwimmen eine 34 auf den 49m geschwommen. Der Hammer war eigentlich 49m Brust, den da stoppte man mir eine 37. Da waren die Jungs geschockt, den ich hatte ja erzählt, dass ich Brust nicht mag. Und auch der Trainer musste über die Aussage lachen. Freistil habe ich mich versucht an die Jungs zu hängen und war mit ner 28,4 auch nicht so weit hinter ihnen.

mein T-Shirt und die Medaillen

Es gab übrigens sogar Medaillen, so dass ich jetzt ein schönes Andenken aus Brasilien habe. Außerdem habe ich am Freitag vom Coach ein T-Shirt geschenkt bekommen. Das ist zwar leider ziemlich groß, aber hat dafür ein ganz tolles Motiv. Also beschweren kann ich mich in keiner Weise...

Der Coach sagte mir im Nachhinein noch, dass es schön ist, dass ich mit geschwommen bin und das ich der “Star” der Veranstaltung war (besonders für die vielen kleinen Kinder) – zum einen, weil ich aus Deutschland komme und zweitens, da ich so schnell und für deren Verhältnisse auch schön schwimme. Ein Kind wollte auch gerne meine TU Dresden Badekappe haben, was ich aber ablehnen musste, da ich sie zum einen sehr gerne habe und zum Tausch auch nur eine normale Kappe ohne Schrift bekommen hätte. Ich hoffe, dass Kind weint jetzt nicht...

ein weiterer Teil des Clubs - schön nass
vom Dauerregen

Insgesamt lief alles etwas chaotisch ab und die Bahneinteilung nahm mein Trainer nach Belieben vor. Und wenn noch wer fehlte, dann wurde halt gewartet ... Aber insgesamt, trotz Regen, nen schönes Brasilienerlebnis.

P.S.: “As suas marcas” ist hier das Startkommando.

Samstag, 30. August 2008

Regen

Mein erster Regen in Brasilien, nach nun mehr fast 3 Wochen ohne einen Tropfen vom Himmel. Dafür regnet und gewittert es eigentlich seit gestern Abend fast ständig ...

Doofe Sache, da das Wetter scheinbar regelmäßig zum Wochenende schlechter wird (schon letztes Wochenende sah es ein bißchen nach Regen aus und es war gar nicht so heiß, wie sonst). Eigentlich wollten wir jetzt entweder auf einen Berg zu einem schicken Restaurant oder wieder zu ein paar Wasserfällen - aber die gibt es ja heute schon aus dem Himmel ...

Sonst geht's mir recht gut, auch wenn mich der erste leichte Schnupfen erwischt hat und ich das Poolwasser nicht so recht vertragen hab und daher jetzt ein paar Probleme mit der Haut habe (aber ihr wisst ja, dass ich da ein sensibelchen bin). Möchte trotzdem nicht wissen, wie viel Chlor die da rein kippen - meine fast neue Schwimmbrille hat schon extreme Auflösungserscheinungen (der Gummi sieht aus, als wäre ich schon 1,5 Jahre damit im Chlorwasser rumgeschwommen).

Damit meine Haut sich erholen kann, habe ich gestern auch das Schwimmen ausfallen lassen - zum Glück, sonst wäre ich nach dem Training ja im Gewitter gleich noch einmal nass geworden.