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Dienstag, 28. Oktober 2008

São Paulo

Da ich dieses Wochenende auch noch nach São Paulo eingeladen worden war, bin ich vorzeitig in São Carlos von der TUSCA abgereist.
In
São Paulo besuchte ich Jacky und ihren brasilianischen Freund - wir kannten uns bisher aber lediglich über E-Mail. Wie Einige von euch sicher wissen, habe ich ein Stipendium der Deutschen Wirtschaft (sdw). Jacky ist eine der anderen rund 1000 Stipendiaten und verbringt gerade zwei Semester an der USP (der größten und besten Universität in São Paulo).

Blick auf São Paulo von Jackys und Pedros Wohnung

Nach 3,5 Stunden Busfahrt im Luxusbus (mit Fußstütze und kaltem Wasser, was man sich nehmen konnte), holte sie mich freundlicherweise am großen Busbahnhof ab. Danach folgte auch schon meine erste Fahrt mit der Metro, welche in
São Paulo bisher aber noch nicht sehr flächendeckend ausgebaut ist. Erstaunlicherweise gab es im Gegensatz zu mir bisher bekannten Metros, in São Paulo keinen Metrowind und es war in der gesamten Metrostation auch eher warm als kalt. Jacky wohnt mit Pedro, ihrem brasilianischen Freund (der sehr gut Deutsch kann, da er zwei Jahre in Deutschland studiert hat) im 20. Stock in einer schicken 3-Zimmer-Wohnung mit Ausblick auf die Hochhauslandschaft und einem Pool, der zum Gebäude gehört. Zum Abendessen ging es in ein Shopping-Center - mein erstes in Brasilien. Dort gab es auch alle internationalen Fressbuden, wie McDonalds, Subway und Burger King. Wir setzten aber auf ein brasilianisches Kilorestaurant.

die Flaggen von São Paulo und Brasilien

Am Abend wollten wir noch etwas trinken gehen, da ich das hier in Itajubá eher so gut wie nie mache. Wir sind also mit dem Auto (öffentliche Verkehrsmittel sollte man nach Einbruch der Dunkelheit aus Sicherheitsgründen nicht mehr benutzen) in ein Gebiet gefahren, wo es von Restaurants und Bars nur so wimmelte. Das Auto übergaben wir einem Einparker. Dieser sucht irgendwo in der Nähe einen Parkplatz und wenn man wieder losfahren will, holt er das Auto auch wieder. So wird verhindert, dass man nachts alleine durch die Straßen irren muss (was dann eventuell doch gefährlich werden könnte), wenn man nicht gleich vor dem Restaurant der Wahl einen Parkplatz findet.

Edificio de Banespa

Wir entschieden uns dann also für eine Bar, wo wir aber erst einmal auf einen Tisch warten mussten. Einem Deutschen ist wohl unser deutsches Gespräch aufgefallen, so dass wir wenig später statt zu dritt zu fünft auf einen Tisch warteten (es war auch noch ein Kollege des Deutschen dazu gekommen). Mit den zwei Deutschen, welche
in São Paulo bei Siemens als SAP-Berater arbeiten, haben wir letztendlich einen sehr schönen Abend verbracht. Am Ende bezahlte der eine von den beiden sogar noch die sehr teure Rechnung (über 200 Reais), aber schließlich hatten wir ja erfahren, dass sie in Deutschland angestellt sind und damit auch deutsches Gehalt und zusätzlich Auslandszuschlag und Hotelübernachtung und alles bezahlt bekommen. So was passiert einem aber auch nur in Brasilien ... In Deutschland wären wir niemals zusammen an einem Tisch gelandet.

Estação da Luz - der Hauptbahnhof

Am Sonntag wollte ich natürlich ein bisschen Sightseeing machen (ja ich weiß São Paulo ist nicht gerade die Stadt dazu). Jacky führte mich deshalb zunächst ins historischen Zentrum, wo ich meinen ersten Bahnhof in Brasilien überhaupt sah (man hatte irgendwann Mitte des 20. Jhd. fast alle Zugstrecken abgebaut. Dazu aber mehr, wenn es wieder heißt: Neues aus der brasilianischen Welt der Dinge). Außerdem kamen wir am Bankenviertel und der Börse vorbei und schauten uns das Theater von draußen an. Da leider am Sonntag alles geschlossen war, war es insgesamt nur ein langer aber schöner Spaziergang. Wenigstens bei der Kirche hatten wir Glück und durften noch ganz kurz reinschauen, bevor auch sie zumachte...

Catedral de Sé - die bedeutendste und
größte Kirche São Paulos


Dafür war im japanischen Viertel Liberdade - eine halbe Million der Einwohner São Paulos sind Japaner - sehr viel los, da dort am Sonntag Markt ist.

Danach fuhren wir zum
Parque do Ibirapuera. Zumindest nahmen wir die Metro bis in die Nähe des Parks und wollten dann eigentlich mit dem Bus fahren. Nach dem wir 3 unterschiedliche Meinungen gehört hatten, auf welcher Straßenseite der Bus fährt (alle waren sehr von ihrer Meinung überzeugt) und jemand meinte zu Fuß ist man auch in 10 Minuten da, sind wir zu Fuß gelaufen. Aus den 10 Minuten wurden mindestens 30 Minuten, aber das darf man den Brasilianern nicht übel nehmen - ein sehr gutes Zeitgefühl haben sie nun mal nicht. Der Park war riesig und hatte auch mehrere Seen. Ein sehr schöner Platz, sich bei den ungefähr 30°C vom Sightseeing zu erholen und Kokosnuss-Wasser zu trinken. Im Park gab es wahnsinnig viele Sportler, aber auch viele, die in ihrer Hängematte relaxten.

ich im Parque do Ibirapuera

Leider musste ich am Sonntagabend schon wieder zurück nach Itajubá, da ich bereits am Donnerstag und Freitag auf Arbeit frei genommen hatte. Aber in zwei Wochen werde ich Jacky ja noch einmal in
São Paulo besuchen und dann Christian endlich vom Flughafen abholen. Und dann geht es so richtig ans Reisen.

São Paulo vom Parque do Ibirapuera aus gesehen

Den Bus nach Itajubá, der ausnahmsweise auch total pünktlich war, habe ich übrigens schnapp-ab gerade noch so bekommen. 10 Minuten vor Abfahrt kam ich am völlig überfüllten Ticketverkauf an. Nach 5 Minuten warten, fragte ich die erste in der Schlage, ob ich vor ihr dran kommen könnte, da mein Bus in 5 Minuten fährt. Und siehe da, es hat geklappt und ich bin rennend noch rechtzeitig am richtigen Busterminal angekommen...

Mittwoch, 1. Oktober 2008

Aussichten auf und um Itajubá

Jetzt habe ich fast eine komplette Woche keinen Blog geschrieben und dafür mal die verschiedensten Aussichten in der Kleinstadt Itajubá genossen und außerdem mal alles, was so liegen geblieben war, erledigt und mich halb zu Tode gefroren...

Monstergewitter im Anmarsch, normalerweise sind
im Hintergrund schöne Berge zu sehen

Erst einmal kann ich euch sagen, dass man auf die Wetterberichte hier nicht viel geben kann. Ich konsultiere im Allgemeinen zwei und diese weichen schon mal enorm voneinander ab. Außerdem kommt dann doch alles anders als gedacht. Kalt war es also letzte Woche - natürlich nicht so kalt wie bei euch - aber ohne Heizung gerade Nachts (wo das Thermometer ja deutlich unter 10Grad wandert) wirklich bitterkalt.
Dann kommt es aber vor, dass es plötzlich wieder total warm ist und man gar nicht mehr weiß, wieso man gestern noch dicke Socken im Bett an hatte.

das Monstergewitter ist
im Anmarsch

Samstag sollte es also schön sein, laut Wetterbericht. Das war es auch, zumindest von ein bis zwei Uhr - genau dann, wo ich im Restaurant zu Mittag aß. Danach wollte ich meinen Sportclub auskosten und mit dem Rad hin fahren und schwimmen (und baden) und in den Fitnessraum gehen und mich sonnen. Das wurde aber erst einmal nix, denn dann kam ein Monstergewitter, was die Wetterleute scheinbar übersehen hatten. Innerhalb von Minuten war es dunkel und schüttete und gewitterte so dolle, wie ich es in Deutschland eigentlich noch nicht erlebt hatte. Immerhin haben sie den Wetterbericht dann sofort aktualisiert und siehe da, es sollte nur noch Regen geben dieses Wochenende. Aber nach dem heftigen Guss, habe ich lediglich aus meinem Wasserhahn und der Dusche noch Wassertropfen kommen sehen.

Gewitterspuren auf dem Weg (Abkürzung) zum Club

Ich war dann also doch noch kurz im Club, abends in einem tollen Restaurant (bei 10 Grad saßen wir natürlich draußen) und dort gab es dann auch noch die Geschichte der Geschichten. Ich habe um die 15 Deutsche in Itajubá getroffen - angehende Wasserbauingenieure von der Offiziershochschule in München, welche gerade auf Exkursionsreise in Brasilien waren (die Geschichte verbreitet sich hier übrigens als die "Invasion der Deutschen"). Da Marcelo unbedingt wissen wollte, was die scheinbar Deutschen (er hatte das mal wieder ganz klar erkannt, denn wer rennt schon bei 10 Gad im T-Shirt rum) denn in einem Kaff wie Itajubá machen, habe ich die Gruppe also gefragt.

7 von ihnen sind wir dann den ganzen Abend nicht mehr losgeworden. Erst einmal durften wir ihnen eine Taxi rufen (natürlich konnte keiner von denen ein Wort Portugiesisch) und sie dann in die Bar Cultural (einen Studentenclub) begleiten (wo sie gleich mal beim Bestellen eines Bieres scheiterten). Da dort nix los war (also es gab schon eine Band, aber die spielte vor vielleicht 20 Leuten und normalerweise passen in die Räumlichkeiten 2000) sind wir mit ihnen weiter in den Pub gezogen - eine Art Disko mit Technomusik. Aber irgendwie hat dort drinnen eh nur jeder gequatscht, so dass sie die Musik auch ausmachen hätten können... Dort traf ich noch eine Menge bekannte Gesichter und weiß wieso ich hier nicht gerne weggehe - man ist ständig damit beschäftigt Männer abzuwimmeln... Auf der anderen Seite wollten alle Single-Brasilianerinnen mit den Deutschen verkuppelt werden. Verständigung natürlich nur über Körpersprache. Sehr witzig kann ich euch sagen... Ich glaub wir haben gegen 4:15 den Club wieder verlassen - ein ungeplanter, aber dennoch lustiger Abend!

ich vor meiner brasilianischen "Heimatstadt" Itajubá

Am Sonntag bin ich mit Gisela, Marcelo und Pedro (dem Mitbewohner von Marcelo) auf dem Dach des Hochhauses, in welchem sich die WG von Marcelo und Pedro befindet, gewesen. Natürlich war ich der Grund, wieso wir unbedingt da hoch mussten (ich muss doch unbedingt mal das schöne Itajubá von oben sehen) und nach ein bisschen Überredungskunst hatten wir vom Doorman den Schlüssel bekommen - in Deutschland undenkbar.

die berüchtigte Leiter, die
Satellitenschüssel und Marcelo

Über eine Leiter ging es an der Satellitenschüssel (mein Hintern ist gar ni so dick, immerhin bin ich gut vorbei gekommen, manch anderer musste drum herum klettern) vorbei auf das ungesicherte Dach samt Blitzableiter. Der Blick war echt toll, aber dennoch hatte ich ein leicht mulmiges Gefühl mitten auf einem Dach zu stehen.

Pedro post auf dem Dach

Danach schauten wir uns noch den Betriebsraum der Fahrstühle an (also dort wo das obere Ende der Fahrstühle ist) und präsentierten uns dann alle vier zur Schlüsselabgabe beim Doorman (nicht dass er denkt, einer wäre auf dem falschen Weg nach unten gekommen...).

Danach bin ich mit Marcelos Rad über Itajubás Holperpisten und eine verschlammte Schotterpiste zum Baden in meinen Club gefahren und habe die Landschaft um Itajubá herum genossen.

die Straße zum Clube Itajubense

Als Schlussbemerkung noch eine neue Busgeschichte. Heute fuhren wir gleich mal mit offener Tür durch die Gegend. Ich hatte mir schon überlegt, wie ich den kleinen Jungen (
der genau vor mir an der Tür stand) rette, wenn wir die eine böse Kurve mal wieder mit gefülltem Vollgas fahren, und ich zum Held von Itajubá werde. Aber nach der Hälfte der Fahrt fiel dem Busfahrer dann doch ein, dass wir ja Türen haben... (erstaunlicherweise konnte man die sogar zu machen - scheint neu hier in Brasilien zu sein) Nix da mit Held sein...