Dienstag, 16. September 2008

Pico dos Marins

Nach dem missglückten Versuch vor einer Woche, nahm ich dieses Wochenende erneut den 2422m hohen Gipfel des Pico dos Marins in Angriff (der 23. höchste Berg Brasiliens). Diesmal aber mit Guide und Übernachtung - schließlich wollte ich nicht noch einmal auf halbem Weg stecken bleiben.

Der Jeep mit unserem Gepäck.
Mein Rucksack ist der Oberste.


Am Samstagmorgen ging es nach Überprüfung des Gepäcks durch den Guide zu viert im Jeep los. Zur Wandergruppe gehörte neben dem Guide Orlando und mir noch ein Pärchen (Elen und Mario). Das Gepäck kam ganz klassisch auf's Dach und war nach über 20 km roter Schotterpiste auch kam mehr wieder zu erkennen. Ausgerüstet wurden wir zusätzlich noch mit Gymnastikstöcken (die, mit denen wir immer Ausschultern mussten), welche wir als Gehhilfen benutzen sollten. Also ich fand den Stock ja ab und an hilfreich, aber meistens war er mir dann bei den Kletteraktionen doch im Weg und ich ziemlich froh, als ihn mir Orlando abnahm.

ich bin schon hochgeklettert

Der Einstieg zur Wanderung ging gleich mit kräftigen Anstiegen los, war aber eigentlich zu dem noch kommenden ein Klacks. Den größten Teil der Wanderung verbrachten wir damit uns über Felsen zu winden und steile "Steinwände" hinaufzulaufen und zu krabbeln. Mit großem Rucksack auf dem Rücken war das auch gar nicht so einfach und muss von fern wie eine Krabbelgruppe ausgesehen haben. Aber mit erfahrenem Guide, der vor 2 Jahren den 6962m hohen Aconcagua (den höchsten Berg Südamerikas) bestiegen hat, hatte ich dennoch Hoffnung den Gipfel tatsächlich zu erreichen.

Maciço dos Marins - Pico dos Marins (der hinterste),
Pico da Maria und Pico da Mariana (v.l.)


Auf halbem Weg zum Gipfel sind wir auf einmal einem der zwei Hunde vom Basiscamp begegnet. Mich würde echt mal interessieren, wie der den Weg zu uns gefunden hat. Nach 10 Minuten Begleitung war er aber plötzlich verschwunden und hörte auch nicht auf unsere Rufe.

letzte Rast vorm Gipfel (den Felshang
sind wir gerade runter gekommen)

Besonders die letzte Stunde vor dem Gipfel hatte es noch mal in sich. Rückblickend frage ich mich, wie wir die teils ziemlich steilen Felsen und Berghänge hinaufgekommen sind. Ich bin ziemlich froh, dass wir Orlando dabei hatten. Zum einen wusste er, wie man das scheinbar fast Unüberwindliche überwinden konnte und zum anderen gab er auch stets Hilfestellung, wenn man mal wieder ins Rutschen kam und damit wieder auf dem Weg nach unten war, oder einfach zu kurze Arme und Beine hatte.

Auf dem Gipfel waren wir nach 4 Stunden hartem Aufstieg aber an diesem Tag nicht die Ersten. Neben einer fünfköpfigen sehr jungen Wandergruppe erwartete uns schon ganz freudig wedelnd der Hund vom Basiscamp. Der kennt bestimmt eine Abkürzung ... Das nächste mal folge ich ihm den Berg hinauf ;-)

"unser Hund" vor meinem Zelt

Zunächst haben wir unsere drei Zelte aufgebaut und damit unser 5-Sterne-Hotel in 2422mHöhe errichtet. Mein Zelt hatte übrigens Orlando getragen, da er scheinbar Angst hatte, dass ich ihm sonst unter dem Gewicht des Gepäcks zusammenbreche - seh ich den so "unkräftig" aus? (aber ich will mich ja nicht beschweren, wenn er schon so nett war).
Dann gab es süssen Wein von der anderen Gruppe und eine, trotz des nicht allzu tollen Wetters, wunderschöne Aussicht.
Leider wollte das Wetter nicht mehr lange mitspielen, so dass es bei kräftigem kaltem Wind und Nieselregen etwas ungemütlich wurde.

wir haben es geschafft

Der Hund, von welchem ich schon berichtet hatte, blieb die ganze Nacht bei uns und war auch ziemlich damit beschäftigt bei uns nach Essen zu betteln. Da wir ja alle eh zu viel mit hatten, ist er natürlich nicht verhungert.
Vom Vollmond haben wir in der ziemlich kalten Nacht leider kaum etwas gesehen und auch der vorherige Blick auf den Sonnenuntergang blieb uns verwehrt.
Deshalb ging es dann auch schon um 20Uhr in die wärmenden Schlafsäcke. Leider wollte meiner die ganze Nacht meine Füße nicht wärmen, so dass ich eigentlich nur noch dem Morgen entgegen fieberte.

5-Sterne-Hotel auf 2422m Höhe

Leider hatten wir auch einen Schnarcher dabei und der hat auch noch genau vor meinem Zelt geschlafen (wohlwissend, dass dort eine Salami vor sich hin duftet). Aber ich hatte ja meine Ohrenstöpsel die den schnarchenden Hund und die Windgräusche abdämpften.

wunderschöne Blüten in luftiger Höhe

6 Uhr bin ich aufgestanden und habe zugesehen, wie sich die Sonne ihren Weg durch die Wolken kämpfte. Den Sonnenball habe ich auch für 5 Sekunden sehen können, aber ein Beweissfoto habe ich nicht geschafft zu schiessen. Begleitet wurde ich bei meinem morgendlichen SPaziergang auf dem Gipfel von unserem Hundefreund. Nicht mal bei meinem morgendlichen Toilettengang wollte er von mir weichen und musste anschliessend auch erst einmal beschnuppern, was ich den dort nasses gemacht habe :-)

tolles Bergpanorama um 6 Uhr morgens

Ziemlich bald waren statt den Bergen nur noch weiß-graue Wolken zu sehen, welche sich dann auch bald entleerten. Unser Abstieg wurde dementsprechend von starkem Wind und viel Wasser begleitet. Was aus steilen steinigen Berghängen wird, wenn man Wasser drauf tut, könnt ihr euch sicher vorstellen. Teils im Krebsgang vorwärts, teils rutschend udn auf dem Hosenboden schlitternd ging es sehr sehr langsam Bergab. Ehrlich gesagt, bin ich froh heil (mal abgesehen von den kleinen Schürfwunden) wieder unten angekommen zu sein. Für den Abstieg brauchten wir insgesamt mehr Zeit als für den Aufstieg, was sicher vor allem der ungünstigen Wetterlage zu verdanken war.

ich vor dem Pico da Mariana (einem der 3 Berge
der Marinsbergkette)


Im Basiscamp erfuhr ich, dass ich der dritte Deutsche bin, der vom Basiscamp zum Pico dos Marins aufgestiegen ist. Das ist doch auch mal eine tolle Sache und natürlich habe ich mich mit dem Zusatz Alemanha im Gästebuch verewigt.

Regenwald-Atmosphäre auf den letzten
Metern der Wanderung

Insgesamt kann ich sagen, dass es ein echtes Abenteuer war und sich auf alle Fälle gelohnt hat. Ob ich die Wanderung jedoch je wieder machen würde, weiß ich nicht. Die Klettereien fand ich ja noch ganz nett, aber über steile Steinhänge zu laufen, zu krabbeln oder zu rutschen war dann doch nicht mein Ding (dementsprechend sehen meine Hände jetzt auch etwas mitgenommen aus). Ich schätze das es um die 1000m Höhenmeter waren, die überwunden werden mussten.

der Wanderweg mit Höhenangaben
(zwischendurch ging es aber auch ab
und zu erst einmal wieder runter) & leider
ist der Startpunkt auf dem Bild ein ganzes
Stück oberhalb vom eigentlichen Start


Und für die Insider aus meiner deutschen Trainingsgruppe: Ralfs berühmte "Grat"-wanderung in der Sächsischen Schweiz war doch eigentlich im Vergleich zum Pico dos Marins ganz angenehm. (Also Ralf solltest du je mal in Brasilien sein, lass dir diesen Gipfel nicht entgehen)

Montag, 15. September 2008

Warmes Wasser und der Weichspüler

Irgendwie war letzte Woche so viel los, dass ich es gar nicht geschafft habe, den Blog zu aktualisieren.

Seit letzter Woche beschäftige ich mich mit der deutschen Grammatik - wusstest ihr eigentlich das alle alkoholischen Getränke männlich sind (ausgenommen das Bier). Wieso ich das weiß?
Ich gebe seit neuestem zweimal in der Woche für eine Stunde Deutschunterricht. Ein Brasilianer, der nächstes Jahr nach Dresden zum Studieren kommen möchte, hatte mich indirekt über meine Portugiesischlehrerin gefragt. Er heißt Adolfo - was mich zunächst erst mal abgeschreckt hat. Man weiß ja nie ... aber der Name scheint hier gar nicht so selten zu sein. Naja, zumindest darf ich ihn beim Spitznamen XuXu nennen (gesprochen wird das ChuChu und das ist eigentlich eine kürbisartige Frucht).
Für 20 Reais (ca. 8,50 Euro) gibt es also jetzt Sächsischunterricht mit Dresdendialekt :-) Gar nicht so einfach, kann ich euch sagen ... Wieso haben wir auch keine allgemeingültigen Regeln für die Pluralbildung. Und wie erklärt man einem Brasilianer am besten die deutschen Fälle!?!

Außerdem bin ich der Ursache meines Hautausschlags auf den Grund gegangen. Nachdem es letzte Woche extreme Ausmaße angenommen hatte (meinen ursprünglich als Erkältung abgestempelten Reizhusten inklusive) und ich schon im Internet nach dem erst besten Dermatologen in Itajubá gesucht habe, habe ich den Auslöser zumindest zu 90% ermittelt. Zunächst muss ich mich aber bei meinem Pool entschuldigen, den ich zu unrecht verdächtigt hatte. Es scheint nicht das Chlor zu sein, sondern der Weichspüler, welchen ich ja schon in Deutschland nicht wirklich mochte. Zumindest wird hier alles mit Weichspüler gewaschen - von der Unterwäsche bis zum Pulli, vom Handtuch bis zum Bettzeug.
Donnerstagabend habe ich also eine radikal Entzugskur angefangen - mein Bettzeug abgezogen und gegen welches aus Deutschland gewechselt. Außerdem sind meine Sachen jetzt nach hier gewaschen und hier nicht gewaschen sortiert (Mist, dass die Verteilung sehr ungleich ist). Die Hausfrau hat die Anweisung bekommen, all meine Sachen ohne Weichspüler und damit seperat zu waschen. (Hausfrauen haben halt auch Nachteile: hätte ich hier selber gewaschen, wäre das gar nicht passiert) Und ich werde dann so gut wie alles für die Hausfrau am Dienstag in die Wäsche tun.
Am Freitag hatte ich noch einmal für zwei Stunden etwas Weichspüler-verseuchtes an, naja meine Armbeugen haben es mir nicht gedankt...
Der morgendliche und abendliche Reizhusten ist erstaunlicher Weise auch verschwunden.
Also solltet ihr mal ähnliche Probleme haben, vielleicht liegt es ja am Weichspüler.

Seit letzte Woche darf ich außerdem in einem neuen Verein schwimmen und mich sportlich betätigen. Der Club, wenn auch etwas teuer, ist super. Ich darf hier jeden Tag, zu jeder Uhrzeit alles Nutzen - beheiztes 25m-Becken, Rutsche & Badebecken, ein Indoorpool, Sauna, Fitnessräume, Tennis-, Fußball-, Faustball- und Volleyballplätze. Also ihr seht es mangelt an nix. Der Trainer hat mich auch gleich nach 5 Minuten Bahnen ziehen zu einem Wettkampf am nächsten Wochenende eingeladen. Da bin ich ja jetzt mal gespannt.
Und wenn man, dann total geschafft aus dem Club kommt, kann man gleich in ein tolles Barbecue-Restaurant einfallen und alle abtrainierten Pfunde, wieder drauflegen.
Das Wasser war übrigens mit 30Grad etwas zu warm, aber irgendwie haben die sich scheinbar beim Heizen verkalkuliert. Bei 30 Grad Lufttemperatur letzte Woche ist nämlich selbst mein kalter anderer Pool warm geworden.

Am Wochenende habe ich auch was abenteuerliches erlebt, aber da ich von so viel neuem auch erst einmal müde bin, gibt es die Erzählungen dazu morgen. Wer es gar nicht mehr erwarten kann, findet unter http://picasaweb.google.com/Katja.Seidler/PicoDosMarinsII schon mal die Bilder dazu.

Dienstag, 9. September 2008

Nationalfeiertag

Am Sonntag war in Brasilien Nationalfeiertag. Am 7.September 1822 wurde die Unabhängigkeit Brasiliens von Portugal verkündet.

ein paar der brasilianischen Fahnen

Heute finden an diesem Tag Paraden statt, für welche schon die ganzen letzten Wochen fleißig geübt wurde. So war es schon fast Standard, dass die Fanfarenzüge ihre Einlagen genau dann vor unserem Fenster proben mussten, wenn wir gerade Fernsehen wollten.
Beim Schwimmtraining hatte ich auch die Ehre von Trommeln und Trompeten begleitet zu werden (die spielten jedes mal am Busbahnhof, welcher gleich beim Pool um die Ecke ist).

eine kleine Tanzeinlage

Eigentlich jede Schule und viele Vereine waren in der Parade vertreten (ich glaub insgesamt waren es um die 30 verschiedene Gruppen). Zum Schluss gab es dann auch noch eine Militärparade, welche ich aber leider nicht mehr gesehen habe. Nach 2,5 Stunden zuschauen, hat es mir dann doch gereicht (es ging halt typisch brasilianisch alles ganz langsam). Auch wenn ich natürlich das Highlight gerne gesehen hätte - hatten mir doch die Probeschüsse des Militärs in den letzten Tagen jedes mal einen gehörigen Schreck eingejagt.

Dafür habe ich noch was schönes entdeckt: meine Schwester Claudia wird sich freuen...

ein Friseursalon mit lustigem Namen

In Itajubá ist jetzt also erst einmal wieder ruhe eingekehrt ...
Würde mich freuen, mal was aus der Heimat zu hören. Ihr dürft gerne auch die Kommentarfunktion nutzen! ;-)

Montag, 8. September 2008

Wandern mit dem Abschleppwagen

Am Samstag sollte es zum 2422m hohen Pico des Marins, welcher in der Serra da Mantiqueira liegt, gehen. Nach langen Planungen haben wir uns mangels ausreichendem Equipment für eine Eintagestour entschieden. Ursprünglich wollten wir die Tour mit Übernachtung auf dem Berg machen (Campen), aber dazu hätten wir einige Sachen ausleihen müssen und wussten nicht wo. Organisiert hat das ganze mein Praktikumsbetreuer. Eigentlich sollte es zu fünft losgehen, aber am Samstag waren wir dann plötzlich nur noch drei (brasilianische Spontanität halt): mein Praktikumsbetreuer Jonas, Marcelo (der Freund meiner Mitbewohnerin Gisela) und ich.

Serra da Mantiqueira

Damit wir genügend Zeit zum Auf- und Abstieg haben sollten, ging es 6 Uhr in Itajubá los. Leider wurde aus der Wandertour eine Umweltverschmutzungstour, aber das konnte ja keiner vorher ahnen.
Zum Startpunkt der Wanderung muss man reichliche 20km auf einer Schotterpiste fahren. Diese überstand das Auto nicht heil, so dass wir nachdem wir wieder mal einen Stein getroffen hatten, noch einige Hundertmeter - eine schöne Ölspur hinter uns her ziehend - fahren konnten und dann stehen blieben. Mit "Menschenstärken" schafften wir es zu dritt das Auto auf der schmalen Straße zu wenden und machten uns schiebender und rollender Weise auf den Rückweg. Was eigentlich ziemlich lustig war, denn wir waren ständig damit beschäftigt aus- und einzusteigen (letzteres dann eher springender Weise). Das ging auch ganz gut, bis wir zu einem zu dritt unüberwindbarem Hügel kamen.

ein Haus mit Telefon, aber leider niemand zu Hause

Das Auto blieb also stehen und wir machten uns alleine auf den Weg zurück in die Zivilisation und zu einem Telefon (Handyempfang hatte natürlich keiner). Auf dem Weg lagen einige kleine Häuser, aber alle leider ohne Telefon. Nach 7 km erreichten wir eine Ortschaft mit Telefonen, von wo aus wir dann endlich den Abschleppservice rufen konnten. Der lies dann auch noch einmal 1,5 Stunden auf sich warten - die Zeit nutzte ich, um meinen Teint ein wenig dem der Brasilianer anzugleichen.

hier gab es endlich ein Telefon

Außerdem durfte ich dann das erste Mal in meinem Leben in einem Truck mitfahren, was ja auch irgendwie ganz lustig war. Die Bilder von dem Stein den wir getroffenen haben (welche übrigens winzig war), darf ich leider nicht reinstellen, da mein Praktikumsbetreuer sonst sauer wird. Ihm war die ganze Geschichte ja dann schon irgendwie peinlich...
Aber auf diesen Straßen ist das ja auch kein Wunder.

Marcelo treibt den Abschleppmann an ;-)

Den Pico dos Marins habe ich dieses Wochenende also leider nicht gesehen, hoffe aber, dass eventuell nächstes Wochenende (bei einer geführten Wanderung) nachzuholen. Dafür war es dennoch ein lustiger Ausflug. Ich habe ein paar sehr einfach lebende Brasilianer gesehen (eher das Bild, was man sich manchmal von Brasilien vorstellt), schöne Natur am Wegesrand und total zerbeulte Autos in der Autowerkstatt.

zum Glück nicht unsere Autos

Wer denkt, Deutschland ist ein bürokratisches Land, sollte erst einmal nach Brasilien kommen. Formulare über Formulare, alles dauert und dauert und Bilder gibt man am besten nur im Doppelpack ab.

Am Freitag hieß es für mich auf nach Varginha zur Federal Police (mit den vier anderen Deutschen und einem Professor von der Uni, zur sprachlichen und behördlichen Verstärkung). Dieser Trip musste natürlich vorbereitet werden:

  • alle benutzten Seiten des Reisepasses mussten kopiert werden
  • das Visumformular aus Deutschland musste vorliegen und vorher schon einmal als Kopie an die Behörde übermittelt werden
  • ein weiteres Formular ausgefüllt werden (zum Glück gab uns der Professor seine Hilfestellung und wir übten vorher in einem Probeformular)
  • zwei Bilder im Format 3x4 (ich hatte ja schon beim Visumsantrag zwei abgegeben, aber jetzt brauchten sie noch mal zwei)
  • Geld musste überwiesen werden (189 Reais, also ca. 80 Euro) - da gab es für die Bank auch spezielle Formulare von der Uni in denen alle möglichen Angaben gemacht werden mussten
Schon der Visumsantrag in Berlin hatte alle möglichen Unterlagen verlangt und hier ging es nun also weiter.
Ziemlich pessimitisch schauten wir dem Besuch entgegen, da sicher bei einem der fünf etwas schief gehen sollte (fehlende oder falsch ausgefüllte Unterlagen). Aber siehe da, nur ein Formular musste neu ausgefüllt werden (Juliane, eine der anderen Deutschen, ist mit ihrer Unterschrift über eine Linie gekommen - dies ist aber leider nicht erlaubt).
Außerdem durften wir alle 10 Fingerabdrücke hinterlassen (den Daumen gleich mehrfach). Natürlich alles schön altmodisch mit Tinte, so dass wir danach alle fast 5 Minuten die Toilette blockierten, um uns wieder zu reinigen.

Von Varginha, das sich angeblich im Jahr 1996 Aliens zum landen aussuchten, haben wir außer der Polizeistation eigentlich nichts gesehen.

Aber zurück zu den Formularen. In Brasilien hinterlässt man überlicherweise 2 Fotos. Eins für den persönlichen Ordner (den scheinbar jede Institution über einen anlegt) und eins für den Ausweis. So ist das an der Uni, beim Visum, beim Pass, bei Vereinen, ... Selbst auf Arbeit wurde ich fotografiert, damit mein Ordner auch ein Bild enthält. Ich glaube, dass ganze machen die alle nur, für den Fall dass jemand mal nen Nobelpreis gewinnt oder ein toller President wird. Dann können sie das Bild rauskramen und sagen: seht die war hier!

Und denkt nicht, dass hier alles irgendwie schnell passiert. Von der Polizeibehörde haben wir einen vorläufigen Ausweis bekommen - den richtigen werden wir aber wohl nie sehen, da es meist mehr als ein Jahr dauert ...

Letzte Woche habe ich ein Formular für einen Sportclub ausgefüllt, welchem ich gerne für 2 Monate beitreten möchte (der Weg zum Formular hat ja schon mal 4 Wochen gedauert). Zusätzlich durfte ich natürlich auch wieder den Ausweis kopieren und diesmal nur ein Bild abgeben. Wie dem auch sei, die haben es bisher nicht geschafft mein Formular vollständig zu prüfen. Das wird wohl erst nächste Woche (so die Aussage des Clubs) ...

Auf Arbeit musste ich vier Verträge unterschreiben - es könnte ja mal einer wegkommen... (da er zwei Seiten hatte, und man in Brasilien jede Seite unterzeichen muss, durfte ich also 8x meine Unterschrift üben)

Und noch eine lustige Notiz am Rande: für den Studentenausweis muss man, neben dem Bezahlen eines "Semesterbreitrags", einen Liter Milch abgeben (für irgendeinen Wohltätigkeitsorganisation).

Donnerstag, 4. September 2008

Brasilianisches Essen

Reis, Reis, Reis und Bohnen und Fleisch, viel mehr muss man eigentlich nicht sagen. Wenn mann will, gibt es genau das jeden Tag. Und damit kann man auch sehr billig leben: 5 kg Reis sind diese Woche im Angebot für 10 Reais (ca. 4 Euro) , 1 kg Bohnen 4 Reais (ca. 1,70 Euro). Fleisch ist zudem unverarbeitet auch sehr günstig.

Beim Fleisch gibt es eigentlich so ziemlich alles. Ich habe deshalb letztes Wochenende auch mal Hühnerherz probiert - auch wenn es vielleicht eklig klingt, ich fand es ziemlich lecker. Ganz ganz zartes Fleisch, kein Fett, keine Adern und groben Fasern, was will man mehr. Also demnächst solltet ihr statt nem Steak ein paar Hühnerherzen bestellen.

Feijoada-Zutaten
(leider habe ich vergessen Bilder zu machen,
deshalb diesmal aus dem Wikipedia

http://de.wikipedia.org/wiki/Bild:Feijoada_01.jpg)

Dafür habe ich am Samstag aber auch etwas nicht so leckeres kennen gelernt: Feijoada - das brasilianische Nationalgericht. Das ist ein Bohneneintopf und wird in der Regel als "Feijoada completa" verzerrt. Das heisst neben den Bohnen findet man so ziemlich alles da drin. Ursprünglich hat man alles schlechte vom Schwein rein geworfen: Füße, Ohren, ... (wenn ich das recht verstanden habe, kommt es ursprünglich eher aus der ärmeren Küche)
In den modernen Feijoada kommt hingegen nur gutes Fleisch. Dazu gibt es Reis (was auch sonst), Orangenscheiben und eine Pfeffersauce.
Ich durfte im Restaurant "Zum Schweinefuß" den modernen Feijoada verkosten und muss sagen, es hat einfach überhaupt nicht toll geschmeckt. Aber man muss ja nicht alles mögen. Da lass ich den Brasilianern doch gerne ihr Lieblingsgericht.

Neben Reis und Feijoada lieben hier alle Açaí. Açaí ist eine basilianische Palmenart (im Wikipedia findet man sie auch als Kohlpalme). Aus den Früchten wird ein dickflüssiger Saft hergestellt, welcher in halbgefrorener Weise in Eis-Café ähnlichen Imbissen verkauft wird. Dazu kann man so ziemlich alles essen, was man will: Schokolade, Eis, Früchte, Alkohol, ... . Ich persönlich habe es mit Erdebeeren probiert, fand es interessant und recht ok, aber vom Hocker hat es mich jetzt auch nicht gerissen. Aber immerhin soll das ganze sehr nahreich und energiehaltig sein und wird hier vorallem von Sportlern sehr gerne als "Nahrungsmittel" genutzt.

eine Portion Açaí-Saft
(http://de.wikipedia.org/wiki/Bild:A%C3%A7a%C3%AD.jpg)

Früchte gibt es hier Massenweise. Die muss ich aber erst einmal alle richtig kennenlernen - und das könnte noch ein Stück dauern. Dazu also später hoffentlich mal mehr.

Morgens essen die meisten hier kaum etwas, oder gar nix. Dafür ist dann das Mittag sehr reichlich - ist schließlich auch die Hauptmahlzeit in Brasilien, zu der alle, wenn möglich, nach Hause kommen. Abends isst man dann meistens nicht so aufwendig und auch nicht sehr reichlich.

Vielleicht noch als letztes für die Essensepisode: man geht sehr gerne auswärts essen. Das liegt sicher zum einem daran, dass Brasilianer eher faul sind und jeden Service, den sie bekommen können, ausnutzen. Zum anderen ist es einfach mal auch sehr billig.

Einwas muss ich noch loswerden: Ich vermisse mein Schwarzbrot!!! (Bin schon auf der Suche nach einem Rezept, zu welchem man hier auch alle Zutaten finden kann)

Montag, 1. September 2008

Wochenende - Langeweile

Mit Regen, "Faultieren" als Mitbewohnern ;-) und eine Erkältung ist dieses Wochenende nicht wirklich viel passiert.

Itajubá am zum Glück
sonnigen Sonntag


Am Samstag sind wir ein wenig mit dem Auto in Itajubá rumgefahren. Das Auto ist hier das liebste Fortbeweugungsmittel - selbst für 5 Minuten-Fußwege ... Die Umwelt ist den meisten Brasilianern eh egal. Müll wird teilweise mangels Papierkörben auch einfach auf die Straße geworfen. Aber immerhin versuchen die Brasilianer nicht ganz so viel Öl zu verschwenden und fahren mit Biogemischen (dafür verhungert dann wahrscheinlich irgendwo Einer) oder mit Alkoholgemischen (was sich aber bei 10 Grad, welche wir am Samstag morgen hatten, etwas holprig anfährt).

Aber ich habe mir erzählen lassen, dass die Brasilianer weltweit am meisten Aluminiumdosen recyclen. Das liegt aber an den zahlreichen Armen, die diese aus dem Müll heraussuchen und dann zu Wertstoffhöfen bringen, um ihr überleben zu sichern.

Am Abend habe ich dann das erste Mal Hühner-Herz gegessen, aber zu den Essgewohnheiten werde ich wohl diese Woche mal noch einen ausführlicheren Post schreiben.

die moderne Kirche

Der Sonntag ist bei meiner WG Faulenztag Nummer 1 (Samstag ist Nummer 2), so dass ich mich heute selber auf den Weg gemacht habe und auf einen kleinen Berg zu einer modernen (aber gewöhnungsbedürftigen) Kirche gelaufen bin. Dort sind wir gestern schon mit dem Auto bei Regen vorbei gekommen, aber da war die Aussicht natürlich nicht so toll wie heute.
Die Kirche ist fast vollkommen verglast, so dass man während eines langweiligen Gottesdienstes nicht schlafender Weise auffallen muss, sondern derweil den Blick auf die Stadt und die Berge geniessen kann. Leider habe ich von drinnen keine Bilder, da gerade Gottesdienst war und ich natürlich nicht stören wollte.

Blick auf Itajubá von der Kirche aus