Wir hatten uns für die 1200 km-Fahrt von São Paulo nach Foz do Iguaçu für einen Leito-Bus entschieden. Leito-Busse sind die besonders bequemen Reisebusse mit weniger Sitzen und mehr Komfort und Platz (sowie angebotenen Decken und Kissen). Die Fahrt dauerte 14,5 h und die meiste Zeit davon haben wir schlichtweg verschlafen. Da der Bus etwas eher als geplant in Foz do Iguaçu ankam, hätten wir beinahe verträumt auszusteigen (gut das es die Endstation war). Als ich dann aber auf einmal ein Handynetz aus Paraguay unter den verfügbaren Netzen fand und noch mal beim Fahrer nachgefragt hatte, haben auch wir uns aus unseren Sitzen herausgequält.

Cataratas do Iguaçu - die größten Wasserfälle der Welt

Im Busbahnhof konnte ich erstmals mein Portugiesisch unter Beweis stellen und erkundigte mich bei allen möglichen Busgesellschaften über Busse nach Campo Grande, die am nächsten Tag fuhren. Als auch dies gemeistert war und wir ein Ticket für die nächste Busfahrt hatten, konnte es per Taxi (wir hatten keine Lust 1 Stunde auf den Bus zu warten) in das bereits gebuchte Hostel gehen.

Dort wurden wir auch gleich mit einem kostenlosen Frühstück begrüsst, mit welchem wir uns für die nachfolgende Besichtigung der brasilianischen Seite der Wasserfälle stärken konnten.

wir direkt vorm Wasserfall

Foz do Iguaçu liegt direkt an der Grenze zu Argentinien und Paraguay. Die Iguaçu-Wasserfälle - Cataratas do Iguaçu - liegen zum größten Teil auf der argentinischen Seite. Nur 19 der Wasserfälle befinden sich in Brasilien (je nach Jahreszeit sind es zwischen 150-275 insgesamt). Dafür hat die brasilianische Seite den Vorteil, dass man die Gesamtausmaße der Fälle besser überschauen kann. Deshalb sagen die Brasilianer auch gerne: die Argentinier haben die Bühne, aber wir das Privileg das Stück zu sehen.
Die Wasserfälle erstrecken sich über eine Länge von 2,7 km, sind bis zu 90 m hoch und überragen somit bei weitem die besser bekannten Niagarafälle in Nordamerika, welche nur 1,3 km breit und bis zu 47 m hoch sind.

die Wasserfälle mit angelegten Besucherwegen
(inkl. Dusche)

Bei strahlendem Sonnenschein und geschätzten 30 Grad hatten wir super Bedingungen dieses Naturschauspiel inkl. Regenbogen, ohrenbetäubendem Getose und einer erfrischenden Dusche im Sprühnebel zu erleben.

ein Tukan im Parque das Aves

Danach haben wir uns in den direkt am Iguaçu-Nationalpark befindlichen Vogelpark - Parque das Aves - aufgemacht und versucht mit den Papageien zu reden. Leider wollte nur einer auf unser "Olá" antworten und auch auf Deutsch hatte keiner Lust (wahrscheinlich zu kompliziert). Dafür haben wir eine Menge sehr unterschiedlicher, sehr bunter Vögel gesehen, denen wir teilweise auch in begehbaren Käfigen sehr nahe kamen (eigentlich fanden wir es schon zu nah und hatten doch sichtlich Angst vor den großen Schnäbeln der Tukane).

"Fix & Alle" (das war so ungefähr das Einzige, was Christian noch raus brachte) ließen wir den Tag am Pool ausklingen und lauschten den lauten Grillen.

die argentinische Flagge

Am nächsten Tag ging es mit dem cleveren Cleverson (wir hatten uns entschieden aufgrund der Grenzformalitäten lieber mit dem Hostel über die Grenze zu fahren) auf zur argentinischen Seite der Wasserfälle. Nach einem Stop auf der Grenzbrücke, welche über den Rio Iguaçu läuft, und einer zugehörigen Fotosession kamen wir nach ca. 2 Stunden endlich am argentinischen Nationalpark an. Dort akzeptierte man freundlicherweise auch meinen brasilianischen Übergangsausweis (dank meines Visums), so dass ich als "in den Mercosul-Ländern Wohnende" nur die Hälfte des Ausländerpreises zahlen musste. Auf der brasilianischen Seite hatten sie das tags zuvor seltsamerweise nicht akzeptiert, dafür war es dort auch viel billiger.

ich auf der argentinisch-brasilianischen Grenze

Anschließend durften wir feststellen, dass unsere bereits am Vortag über das Hostel gebuchte Bootstour leider an diesem Tag ausfiel (da der Wasserspiegel wohl zu schnell gestiegen war). Das Geld haben wir dann nach einem Telefongespräch mit dem Hostel glücklicherweise von Cleverson wiederbekommen, da wir ja nicht noch einmal in das Hostel zurückkehren wollten.

der 90m hohe Garganta do Diabo

Mit einer kleinen Eisenbahn konnten wir dann in die Nähe des 90 m hohen Teufelsrachen - Garganta do Diabo fahren und über Stege über enorme Wassermassen bis zur Absturzkante laufen. Ein faszinierendes Erlebnis - gewaltige Wassermassen stürzen sich am Teufelsrachen unter ohrenbetäubenden Lärm in die Tiefe. Auch wenn wir nach einigen Stunden auf der argentinischen Seite der Wasserfälle langsam genug hatten von dem ganzen Wasser, war das Naturschauspiel hier weitaus beeindruckender anzusehen als auf der brasilianischen Seite.

Christian vor dem Teufelsrachen

Auf eigene Faust machten wir uns zurück nach Brasilien auf und brauchten diesmal weitaus weniger Zeit als mit dem cleveren Cleverson. Da wir nicht mehr allzu viel Zeit hatten, fuhren wir mit dem Taxi zum größten Wasserkraftwerk der Welt - dem Wasserkraftwerk Itaipú. Dabei handelte ich mit dem Fahrer gleich noch eine Rückfahrt aus (statt 46 Reais für hin und zurück bot er uns 40 Reais an). Die Hinfahrt (23 Reais - ca. 8 Euro) mussten wir bei Ankunft am Kraftwerk erst einmal nicht zahlen und freundlicherweise wollte er auch gleich unser Gepäck verwahren, was uns dann aber doch mehr als 8 Euro wert war, so dass wir es lieber in einem kostenlosen Schließfach deponierten.

das Wasserkraftwerk Itaipú

Nach einem etwa 20-minütigen Film in Portugiesisch (mit spanischen Untertiteln), von dem ich erstaunlich viel verstanden habe, wurden wir eine Stunde mit einem Bus durch das Kraftwerksgelände gefahren. Leider ging genau in dieser Stunde ein gewaltiges Gewitter los, was pünktlich zum Ende der Besichtigung aufhörte, so dass man auf den Bildern kaum etwas sieht. Dafür hatten Christian und ich viel Spaß, als wir an einem Besichtigungspunkt aus dem Bus ausgestiegen sind und klitsch-nass wurden (bei den hohen Temperaturen ist solch eine Abkühlung manchmal ganz angenehm).

Christian freut sich, dass bei dem Wind sein T-Shirt auch
hält ohne es anziehen zu müssen

Das Wasserkraftwerk ist das weltweit am meisten energieproduzierende (14.000 MW, dass ist ungefähr die Leistung von 12 deutschen Kernkraftwerken) und deckt 90% des paraguayischen und 25% des brasilianischen Energiebedarfs ab. Mit dem umstrittenen Bau 1975 wurden einige wunderschöne Wasserfälle zerstört, welche sich im Rio Paraná - dem aus Minas Gerais (meinem Bundesstaat) kommenden Grenzfluss zwischen Paraguay und Brasilien - befanden.
Während der Besichtigungsfahrt konnten wir die riesige Staumauer und die Turbinen sehen, und waren für einige Minuten auch ohne Grenzkontrolle in Paraguay.

klitsch-nass, aber dennoch glücklich

Als wir mit der Tour fertig waren, stand unser Taxifahrer schon bereit (er hatte die ganze Zeit gewartet) und brachte uns zum Busbahnhof, wo wir 18 Uhr einen Nachtbus nach Campo Grande nahmen.

Montag, 8. Dezember 2008

São Paulo - Beginn der Brasilienreise

Da ich mich mittlerweile schon so an das Blog-Schreiben gewöhnt habe und ich ja auch ausführliche Reiseberichte versprochen hatte, soll es nun endlich losgehen. Vorweg schon einmal vielen Dank an die fleißigen Blog-Leser, welche mit Kommentaren und Mails immer wieder liebe Grüße und Anmerkungen da gelassen haben. (Besonders natürlich Christian, Susi, Anne und Sandra, die mir so oft die Freude eines netten Kommentares gemacht haben). Nach diesem Reisebericht werde ich allerdings mein Leben nicht weiter dokumentieren und auch ihr müsst also langsam und allmählich Abschied von hier nehmen. Aber jetzt gibt es erst einmal noch 3 Wochen voller Erlebnisse ...

Haschisch-Anbau im Hochhaus gegenüber?

Am Samstag den 08.11. habe ich mich von Itajubá nach São Paulo aufgemacht, wo Christian einen Tag später ankommen sollte. Wie schon beim letzten Mal übernachtete ich bei Jacky und Pedro (die mittlerweile sogar (extra für mich?) eine neue Couch hatten).
Wie ihr mittlerweile bestimmt schon wisst, habe ich in Brasilien besonders pão de queijo (eine Spezialität aus Minas Gerais) lieben gelernt. Da es Jacky genauso geht, haben wir an dem Samstagabend gleich noch selber welches gemacht - natürlich mit echtem Minas-Käse aus Itajubá. Hmm lecker. Hoffentlich schaffe ich es das Rezept auch in Deutschland umzusetzen, dann könnt ihr gerne mal zum Kosten kommen. Aber erst einmal muss ich dazu noch Polvilho (Maniokstärke) oder Tapiokamehl finden...

erstes gemeinsames Bild nach 3 Monaten
(wir waren glücklicher als wir auf dem Bild
aussehen - die Sonne blendet einfach nur)

Mit über einer Stunde Verspätung (wie jedes Mal, wenn Christian einen Flieger besteigt) kam Christian am Sonntagmorgen endlich in São Paulo an, wo ich ihn ganz freudig mit Jacky und Pedro empfangen habe. Damit er gar nicht erst auf die dumme Idee kommt, sich schlafen zu legen, haben wir zunächst die Stadt besichtigt - ein extremer Kulturschock für den armen Christian. Überall arme Leute, viele Penner, sehr viel Dreck, diverse bauliche Mängel (Fußwege, bei denen jeder Rollstuhlfahrer alt aussehen würde) und wahnsinnig viele Menschen. Am lustigsten waren da noch die CD- und DVD-Verkäufer mit ihren gebrannten CDs/DVDs, die gerade ganz fix ihre Sachen einpackten, um sie in wenigen Minuten wieder am gleichen Ort anzubieten (eine Polizeipatrouille lief 5m hinter uns).
Im Mercado Municipal (welcher dieses Mal glücklicherweise offen hatte) gab es dann zur Stärkung Mortadella mit Brötchen (die Wurstschicht von etwa 10-15 Scheiben war um die 3-5 cm dick).

der Mercado Municipal

Christian und Pedro (der, obwohl er schon 3 Jahre in São Paulo studiert, noch nie im historischen Zentrum von São Paulo war) bekamen von Jacky und mir dann noch den Rest der Innenstadt gezeigt. Auch das wirkliche Zentrum - die Avenida Paulista - ließen wir nicht aus.

Da Jacky und Pedro beide an der größten Universität Lateinamerikas - der Universidade de São Paulo (USP) - studieren, sind wir mit dem Auto einmal über den riesigen Campus gefahren - eigentlich eine eigene kleine Stadt mit Banken, Restaurants, wahnsinnig vielen Fakultäten und einer eigenen Buslinie. Nebenan befindet sich gleich eine Favela, welche sogar ihren eigenen Eingang hat. Hier gilt im wahrsten Sinne des Wortes: auch die Armen können zur Uni "gehen".

Krokodilfleisch-Spezialitäten im Mercado Municipal

Nach so viel Sightseeing haben wir es uns noch ein wenig am und im Pool (von dem Hochhaus, in welchem Jacky und Pedro wohnen) gemütlich gemacht, um dann 18 Uhr einen Nachtbus nach Foz do Iguaçu zu nehmen.

Montag, 1. Dezember 2008

Wieder zu Hause

Seit Samstagmittag bin ich und natürlich auch Christian wieder auf deutschem Boden. In Dresden sind wir dann gestern Nachmittag angekommen, da wir noch eine Nacht in der Nähe von Frankfurt bei Christians Schwester waren (wir wollten doch mal wieder die Nichte und den Neffen vom Christian sehen).

Und hier meine ersten Eindrücke:
- es ist kalt, viel zu kalt (in Frankfurt durfte ich schon Minusgrade erleben)
- auch hier ist Weihnachten (und ich hab nen Weihnachtskalender :-) )
- es ist alles so sauber und so ordentlich
- und schöne Häuser haben wir hier
- die Busse halten auch ohne Winken an und zeigen die nächsten Haltestellen an
- die Lichtschalter in meiner Wohnung sind dämlich angebracht (ich mache ständig die falschen Lampen an)
- die Menschen lachen nicht viel und meckern beim Einsteigen in den Bus rum
- es wird gedrängelt beim in den Bus und aus dem Bus aussteigen (und wieso wollen immer erst alle rein bevor die Leute überhaupt raus sind)
- ich muss beim Einsteigen in den Bus nicht mehr durch so ein dämliches und viel zu enges Drehkreuz
- die Leute halten bei Rot an der Ampel an (speziell jetzt die Fußgänger)
- die Straßen und Fußwege sind klasse (und wehe ihr beschwert euch noch mal über ein kleines Schlagloch)
- der Wein hier schmeckt gut
- es gibt Schwarzbrot, das einzig wahre Brot :-)
- es gibt kein pão de queijo mehr (aber ich werde wohl demnächst selber welches machen, und dann dürft ihr auch mal Brasilienfeeling kosten)
- es ist viel zu grau draußen und die Bäume sehen einfach mal hässlich aus so ganz ohne Blätter
- ach und hatte ich schon erwähnt, dass es zu kalt ist ? :-(

Mal sehen was es hier in Deutschland noch so zu entdecken gibt.

Der Reisebericht folgt dann demnächst und die Bilder werde ich auch nach und nach hochladen...

Sonntag, 16. November 2008

Unterwegs...

Da manche vielleicht nicht die Kommentare im letzten Blogeintrag lesen:

Uns geht es sehr gut. Nachdem wir bei traumhaftem Wetter die Wasserfälle in Iguaçu angeschaut haben, sind wir die letzten Tage im Pantanal gewesen. Dort haben wir unter anderem Piranhas gefischt, sind durch die Gegend geritten, durch den Schlamm gewatet (mir reichte der Schlamm bis über die Knie), haben eine Nacht im Zelt 50m von den Kaimanen am Fluss verbracht und haben sehr viele Tiere gesehen.

Heute fliegen wir in die Hauptstadt Brasilia. Und Christians Hilferufe wurden erhört - der Himmel ist heute endlich mal bewölkt und die Temperaturen sind angenehm. Aber wer weiß, wie lange das hält.

Bis demnächst mal wieder. Und lest fleißig die Kommentare :-)

P.S.: Die ganzen Bilder und Reisegeschichten gibt es dann erst nach der Reise!

Samstag, 8. November 2008

Die Reise kann beginnen

Für 3 Wochen werde ich mich nun vom Blog verabschieden. Zeit für euch sich endlich mal wieder den wichtigen Dingen des Lebens zu widmen. Ich hoffe euch hat der Blog bis hierher gefallen.

die grobe Reiseroute

Morgen werde ich nach São Paulo fahren (ich werde wieder bei Jacky übernachten, bei welcher ich schon vor zwei Wochen war) und dann Sonntagmorgen Christian (den ich nach 3 Monaten endlich wieder sehe) vom Flughafen abholen.
Danach geht es gleich am Sonntagabend mit dem Nachtbus nach
Foz do Iguaçu, wo wir 2 Tage bleiben und uns die gewaltigsten Wasserfälle der Welt (es sind wohl die breitesten) anschauen werden. Danach geht es wiederum per Nachtbus ins Pantanal - das größte Feuchtsavannengebiet der Erde - um die einzigartige Tierwelt zu beobachten (darunter Kaimane, Anakondas, Piranhas, Jaguare, Pumas und noch viele andere).
Nach so viel Natur werden wir nach 4,5 Tagen im Pantanal erst einmal die Architektur der Retortenstadt und zugleich Hauptstadt Brasília bewundern.
Danach geht es zum Wandern in die Chapada Diamantina. Hier gibt es neben Canyons zahlreiche Höhlen und Wasserfälle.
Nach so viel Action haben wir uns natürlich auch ein paar Strandtage verdient, welche wir in der Nähe von Salvador auf der autofreien Insel Tinharé (Hauptort ist Morro de São Paulo) in einem eigenen kleinen Häuschen direkt am Strand verbringen werden.
Nach einem kurzen Abstecher nach Salvador besuchen wir für 3 Tage Rio de Janeiro, die wohl bekannteste Stadt Brasiliens mit all den Dingen, die man so von Brasilien kennt.
Und zu guter letzt werden wir zusammen noch einmal in die Stadt fahren, wo ich 3 Monate gelebt habe, Itajubá.

Pünktlich zum ersten Advent werden wir wieder in Dresden ankommen (nachdem wir noch eine Nacht bei Christians Schwester in der Nähe von Frankfurt verbracht haben). Dann werde ich sicher auch die Bilder hochladen und wenn ihr Interesse habt nachträglich Blog schreiben ...

Bis dahin einen schönen deutschen Herbst und bis Dezember!

Sonntag, 2. November 2008

Wie komme ich von einem Ort zum anderen?

Lange hat der Beitrag zum Verkehr in Brasilien auf sich warten lassen. Schließlich musste ich ja auch erst einmal genügend Informationen und Erfahrungen sammeln.

zu Fuß:
Die billigste Variante, aber natürlich auch nicht die Variante um 1000 km zurück zu legen. In São Paulo haben die Fußwege ungefähr europäischen Standard. In Itajubá hingegen sind die Fußwege schrecklich. Erstens sind sie viel zu schmal, so dass man bei Gegenverkehr, oder langsamen Vorauslaufenden (was sehr oft vorkommt) auf die Straße ausweichen muss. Das benutzen der Straße als Fussweg ist in Itajubá im Allgemeinen kein Problem, da nicht allzu viel auf den Straßen los ist. Wenn man mal von der Hauptstraße absieht. Zweitens sind die Fußwege genauso wie die Straßen in Itajubá in einem sehr schlechten Zustand. Oft ist der Asphalt herausgebrochen oder es fehlen die Pflastersteine. Das laufen ist ein ständiges auf und ab, wobei man stets beachten sollte, wo man hin tritt. Ich bin schon mehrfach leicht umgeknickt...
Außerdem kommt es nicht selten vor, dass aus irgendeinem Grund der Fussweg gleich komplett belegt ist: zum einen sind die Straßenlaternen sehr ungünstig platziert, zum anderen stellt man auch gerne mal die Baucontainer oder Autos auf dem Fußweg ab.

ein Pferd wartet auf seine einkaufenden Besitzer

zu Pferd:
Dieses Transportmittel ist wohl eher etwas für die Ärmeren der Bevölkerung. Entweder reiten sie auf dem Pferd oder sitzen in einer Art Kutsche und lassen sich durch die Straßen ziehen. Genutzt werden sehr billige einfache Pferde, welche einfach auf irgendeine Wiese gestellt werden, wenn sie gerade nicht genutzt werden (so spart man sich natürlich auch die Kosten für die Ernährung des Pferdes). Vor meinem Haus werden zum Beispiel auf den Wiesen öfters Pferde abgestellt, so dass es auch passiert, dass eins der Pferde herrenlos auf der Straße herumläuft. Wenn die arme Bevölkerung nun also einkaufen- oder ausgeht, bleibt das Pferd samt Kutsche (unangebunden) vor dem Laden bzw. der Bar stehen. Die Pferde sind aber so willenlos, dass sie auch total brav stehen bleiben und auf ihren Besitzer warten. Ein für einen Europäer herrliches Bild in den meisten brasilianischen Kleinstädten. In São Paulo findet man natürlich nicht wirklich Pferde, die durch die Gegend rennen.

ein einsames Pferd vor meinem Fenster

mit dem Auto:
Eines der beliebtesten Verkehrsmittel in Brasilien. Selbst für kurze Wege steigt man doch lieber ins Auto, als sich zu Fuß aufzumachen. Die Mehrheit fährt mit Alkohol (im Tank), was sich aber gerade auf langen Strecken nicht wirklich rentiert. Bei den Straßen gibt es von gut bis schlecht alles. Itajubá gehört zu letztgenanntem. Viele Straßen haben riesige Schlaglöcher. Und in Itajubá sind die meisten Straßen aus Kopfsteinpflaster. Ich habe mir erzählen lassen, dass der (mittlerweile abgewählte) Bürgermeister eine große Kopfsteinpflasterfabrik hat. Wen wundert's da noch...
Gerade zu abgelegenen Orten führen nur nicht asphaltierte Schotterpisten, ein Fahrvergnügen ganz anderer Art. An Schlafen ist auf solch einem Weg im Auto kaum zu denken, da man sonst ständig irgendwo im Auto an die Karosserie oder das Fenster kracht. Viele Leute fahren hier Jeep oder Pick-Ups, die auch solche Straßen ohne Probleme meistern.

eine typische Straße in Itajubá

mit dem Bus:
Innerstädtisch ist das öffentliche Verkehrssysteme unübersichtlich und schwer zu verstehen. Ich denke, es ist auch nicht gerade das Beste, aber wie gesagt, sieht man da halt auch nicht durch. Es gibt weder Pläne (ich spreche jetzt von Itajubá, aber in
São Paulo war das ähnlich), wo Haltestellen sind, noch wo Buslinien langfahren. Mit großer Mühe findet man im Internet oder wenn man Glück hat am Busbahnhof oder einer großen Haltestelle Hinweise wann Busse fahren. Aber in der Regel steht an keiner Haltestelle etwas über die Busfahrzeiten. Wenn man einen Bus nehmen möchte, muss man die Hand rausstrecken, damit er auch anhält. Zum Anzeigen des Haltewunsches wird am Haltestrick gezogen hat. Da man natürlich keine Ahnung hat, wann man aussteigen muss (man weiß ja nicht, wo überhaupt Haltestellen sind), ist das eine komplizierte Sache mit dem wieder aussteigen. Am Besten sagt man dem Busfaher oder dem Geldkassierer (davon sitzt stets einer am Eingang des Busses) wo man aussteigen möchte.
Die Langstreckenbusverbindungen hingegen sind exzellent, auch wenn hier die Suche nach der Verbindung im Internet ewig dauert. Es gibt hauptsächlich drei Busklassen:
Convencional, Semi Leito und Leito. Ersterer ist in der Regel ein einfacher Bus auf europäischem Niveau. Ein Leito-Bus ist ein sehr komfortabler Bus, in welchem man fast komplett liegen kann und auch Decke und teilweise Verpflegung bekommt. Diese Busse werden meist nachts eingesetzt und dienen - laut dem was ich bisher gelesen habe - auch sehr gut zum Schlafen. Ein Semi-Leito ist nicht ganz so luxuriös und ein Zwischending zwischen den beiden beschriebenen. Bisher bin ich, da ja maximal 6 Stunden unterwegs, nur mit Convencional Bussen gefahren und fande diese schon überaus komfortabel. Ich bin gespannt auf meinen ersten Leito-Bus, welchen ich in einer Woche mit Christian von São Paulo nach Foz do Iguaçu nehmen werde.

eine Schotterpiste

mit dem Zug:
Der Zug ist in Brasilien ein Transportmittel, was nicht mehr so recht existiert. Es gibt nur sehr wenige noch vorhandene Zugstrecken für den Personenverkehr. Itajubá hat einen alten Bahnhof, aber keine Gleise mehr dazu. Mir wurde es so erzählt, dass die Politik Subventionen vergab, wenn man seine Eisenbahnstrecken zurückbaut. Damit sollte die Automobilindustrie in Brasilien angekurbelt werden. Weiterhin konnte man den Stahl der Schienen gewinnbringend verkaufen. In letzter Zeit versucht man aber wieder Bahnstrecken zu öffnen. Inwiefern das tatsächlich geschieht, keine Ahnung.

Natürlich gibt es außerdem Flugzeuge und Schiffe, welche ich aber mangels Erfahrung mit ihnen, hier nicht näher beschreibe. Achja und das Fahrradfahren. Naja bei den tollen Straßen könnt ihr euch bestimmt vorstellen, wie schön sich das fahren lässt. Besonders die Arme kommen hier mit einer Schüttelkur besonders zum Einsatz...

Und sicher wollt ihr alle wissen wie der Müll abgeholt wird: In großen Wagen, welche entweder von 1-2 Menschen (den "Müllmännern") oder einem Pferd gezogen werden. Ich habe aber auch schon einmal einen Mülltransporter gesehen. Wahrscheinlich hängt es davon ab, wo man wohnt.

Samstag, 1. November 2008

Anfeuern auf Brasilianisch

Hier noch ein kleiner Nachtrag zum TUSCA-Wettkampf. Das ist "meine" Uni (UNIFEI), welche gerade beim Volleyball fleißig anfeuert. Ich glaube, dass das Spiel zu diesem Zeitpunkt aber schon keinen mehr interessiert hat.





Den Songtext erspare ich euch ... (außerdem möchte ich nicht, dass mein Blog gesperrt wird).

Wer noch mehr davon braucht: http://www.youtube.com/results?search_query=tusca+2008+unifei&search_type=&aq=f